Gibt es so etwas wie sichere Aktien überhaupt?

August 12, 2021 11:18 UTC

Wäre es nicht schön, wenn man an den Finanzmärkten Gewinne machen könnte, ohne irgendein Risiko einzugehen? Geht das? 

Zwar bieten Aktien mehr Sicherheit als viele andere Anlageformen. Aber sichere Aktien im Sinn von null Risiko gibt es nicht. Trotzdem kann man einiges tun und seine Investments absichern. 

Sichere Aktien kaufen

Was versteht man unter sicheren Aktien? 

Eigentlich ist der Begriff „stabile Aktien“ treffender als „sichere Aktien“. Sicher im Sinne einer völligen Abwesenheit von Risiko trifft nämlich nicht zu. Nicht im richtigen Leben und auch nicht auf dem Aktienmarkt. Jeder Mensch ist jeden Tag irgendeinem Risiko ausgesetzt - sei es beim Autofahren, beim Spazieren gehen oder beim Investieren. 

Und noch komplizierter wird es dadurch, dass auf den Finanzmärkten das Risiko nicht nur von außen kommt. Häufig ist man selbst die Gefahr. Persönlichkeit, Lebensstil und Alter eines Anlegers sind einige der wichtigsten Faktoren, die bei der individuellen Risikoabwägung zu berücksichtigen sind. Jeder Anleger hat ein einzigartiges Risikoprofil, das seine Risikobereitschaft sowie seine Fähigkeit, sichere Aktien zu kaufen, bestimmt.  

Vollkommene Sicherheit, also null Risiko, würde auch null Gewinne bedeuten. Warum sollte jemand etwas verkaufen, was zu 100 % sicher ist? Das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite (Chance Risiko Verhältnis) ist ein grundlegender Gedanke im Finanzwesen. Je höher das Risiko, das ein Anleger einzugehen bereit ist, desto größer ist die mögliche Rendite. 

Stellen Sie sich vor, es gäbe eine hundertprozentige Garantie, mit dem Kauf einer Aktie eine Rendite X zu erzielen. Dann wäre es für alle Welt ein Leichtes, Geld an der Börse zu verdienen. Die Realität ist aber: Die Kehrseite von Börsengewinnen ist immer ein gewisses Verlustrisiko. 

Quelle: Eigene Darstellung

Aber was ist Risiko überhaupt? Kann man es vermeiden? Und wenn ja, bis zu welchem Grad? 

In der Finanzwelt kann Risiko als die Möglichkeit definiert werden, dass die tatsächlichen Gewinne einer Investition von den erwarteten Ergebnissen abweichen. Zum Risiko gehört auch die Eventualität, einen Teil oder im Extremfall alles des ursprünglich eingesetzten Kapitals zu verlieren. 

Quantitativ wird das Risiko in der Regel unter Berücksichtigung vergangener (Markt-)Resultate bewertet. Im Finanzwesen ist die Standardabweichung eine gängige Kennzahl für das Risiko. Sie ist ein Maß für die Volatilität von Asset-Preisen im Vergleich zu ihren historischen Durchschnittswerten in einem bestimmten Zeitraum. 

Generell ist es möglich und sinnvoll, Anlagerisiken zu steuern, wenn man die Grundlagen des Risikos und seiner Messung versteht. Die Kenntnis der Risiken, die in verschiedenen Szenarien auftreten können und das Wissen, wie man sie ganzheitlich managt, kann Anlegern helfen, unnötige und kostspielige Verluste zu vermeiden. Wer konsequentes Risikomanagement betreibt, bekommt die sichersten Aktien, die möglich sind. 

Beispiele für Investmentrisiken sind: 

Geschäftsrisiko

Das Geschäftsrisiko bezieht sich auf die grundsätzliche Lebensfähigkeit eines Unternehmens, also auf die Frage, ob es in der Lage sein wird, ausreichende Umsätze und Erträge zu erwirtschaften, um seine Betriebskosten zu decken und einen Gewinn zu erzielen. 

Während sich das finanzielle Risiko im engeren Sinn auf die Kosten einer Unternehmensfinanzierung bezieht, geht es beim Geschäftsrisiko um alle anderen Ausgaben, die ein Unternehmen tätigen muss, um funktionsfähig zu bleiben.  

Zu diesen Ausgaben gehören Gehälter, Produktionskosten, Gebäudemieten, Büro- und Verwaltungskosten. Die Höhe des Geschäftsrisikos wird von Faktoren wie den Warenkosten, den Gewinnspannen, dem Wettbewerb und der allgemeinen Nachfrage nach den angebotenen Produkten oder Dienstleistungen beeinflusst. 

Kontrahentenrisiko

Das Kontrahentenrisiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer der an einem Geschäft Beteiligten (die „Gegenseite“ aus der Sicht der anderen Partei) seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Von Kredit- oder Ausfallrisiko spricht man, wenn ein Kreditnehmer nicht in der Lage ist, die vertraglich vereinbarten Zins- oder Tilgungszahlungen für seine Schuldverpflichtungen zu leisten. 

Diese Art von Risiko ist besonders für Anleger von Bedeutung, die Anleihen in ihren Portfolios halten. Aber auch, wenn Sie an sicheren Aktien interessiert sind. Schließlich ist der Aktionär der Gläubiger und das Unternehmen der Schuldner. 

Ein Kontrahentenrisiko kann bei Kredit-, Anlage- und Handelsgeschäften bestehen, insbesondere bei Geschäften, die im Direkthandel (Over the Counter - OTC) getätigt werden. Aber auch bei börsennotierten und vermeintlich sicheren Aktien kann es eine Rolle spielen, wie mehr oder weniger spektakuläre Fälle immer wieder zeigen.  

Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisiko ist mit der Fähigkeit eines Anlegers verbunden, seine Anlage gegen Bargeld zu tauschen, sie also liquide zu machen. Diese Form des Risikos ist nicht gering zu schätzen. Sollten Sie in die Lage geraten, Ihr Investment verkaufen zu müssen, um zum Beispiel andere Verbindlichkeiten begleichen zu können, werden die Papiere aber in einem illiquiden Markt nicht los, kann sich das zu einem ernsten Problem auswachsen. 

Was macht eine Aktie sicher? 

Um es zu wiederholen: Sichere Aktien im eigentlichen Sinn gibt es nicht. Aber natürlich kann ein bestimmtes Portfolio von Einzelwerten sicherer sein als andere. Um das Maximum an Sicherheit herauszuholen, sollten Sie sich an folgende Hinweise halten: 

Breit gestreut, nie bereut

Die grundlegendste - und wirksamste - Strategie zur Risikominimierung ist die Diversifizierung. Die Risikodiversifikation basiert in hohem Maße auf den Konzepten der Korrelation und des Risikos. Ein gut diversifiziertes Portfolio besteht aus verschiedenen Arten von Wertpapieren aus diversen Branchen, die ein unterschiedliches Risikoprofil und verschieden starke Korrelationen mit den Renditen der anderen aufweisen. 

Indem man neben Aktien auch unkorrelierte Vermögenswerte in einem Portfolio hält, wird die Gesamtvolatilität verringert. Alternative Anlagen verlieren während eines Bärenmarktes in der Regel weniger an Wert, so dass ein diversifiziertes Portfolio im Durchschnitt geringere Verluste erleiden wird. 

Die meisten Anlageexperten sind sich zwar einig, dass eine Diversifizierung keine Garantie gegen Verluste bietet, aber sie ist die wichtigste Komponente, die einem Anleger hilft, seine langfristigen finanziellen Ziele zu erreichen und gleichzeitig das Risiko zu minimieren. 

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine angemessene Diversifizierung zu planen und sicherzustellen:  

  • Verteilen Sie Ihr Portfolio auf viele verschiedene Anlageformen - darunter Bargeld, Aktien, Anleihen, Investmentfonds, ETFs (Exchange Traded Funds) und andere Fonds. Suchen Sie nach Vermögenswerten, deren Renditen sich in der Vergangenheit nicht in dieselbe Richtung und in gleichem Maße entwickelt haben. Wenn also ein Teil Ihres Portfolios zurückgeht, kann der Rest immer noch wachsen. 
  • Bleiben Sie innerhalb jeder Anlagekategorie diversifiziert. Wählen Sie Wertpapiere, die sich nach Sektor, Branche, Region und Marktkapitalisierung unterscheiden. 
  • Nehmen Sie Wertpapiere mit unterschiedlichem Risikoprofil in Ihr Portfolio auf. Beschränken Sie sich zum Beispiel nicht nur auf Dividenden Aktien.  

Blue Chips (Standardwerte)

Als Blue Chips gelten die Aktienwerte in einem Index, die aufgrund ihrer Marktbedeutung, des Aktienkurses oder der schieren Größe und des Alters des Unternehmens zu den besten Investments zählen, die man machen kann. Blue Chip Aktien sind quasi per Definition sichere Aktien. Ausnahmen, wie vor nicht allzu langer Zeit die Papiere der Firma Wirecard, die im deutschen Index für Standardwerte, dem DAX, gelistet waren, bestätigen die Regel. 

Krisensichere Branchen

Manche Branchen hängen mehr vom Konjunkturzyklus ab als andere. Ein typisches Beispiel für zyklische Branchen sind Rohstoffe oder Automobile, die weniger nachgefragt werden, wenn die Konjunktur schlecht ist.  

In zyklischen oder defensiven Branchen haben Sie größere Chancen, sichere Aktien zu bekommen. Ein Beispiel hierfür wären Lebensmittel. In dieser Branche wird getreu dem Motto „Essen müssen die Leute immer“ auch bei flauer Konjunktur meistens gut verdient. 

Hohe Dividenden

Sichere Aktien und hohe Dividenden bedingen sich ein Stück weit gegenseitig. Die Anteile an solchen Unternehmen, die es sich leisten können, hohe Dividenden zu zahlen, sind in der Regel per Definition stabile Aktien.  

Außerdem sichert die Dividende selbst Sie als Anleger ein Stück weit ab, da sie auch bei (kurzfristig) fallendem Aktienkurs ein zusätzliches Einkommen generiert. 

Richtigen Zeithorizont wählen

Der Zeithorizont und die Liquidität von Geldanlagen sind oft ein Schlüsselfaktor für die Risikobewertung. Wenn ein Anleger sofort über seine Mittel verfügen muss, wird er weniger in risikoreiche Anlagen oder solche, die nicht sofort liquidiert werden können, investieren. 

Der Zeithorizont ist auch ein wichtiger Faktor bezogen auf die individuelle Anlagestrategie. Jüngere Anleger, für die der Renteneintritt noch in der Ferne liegt, sind möglicherweise bereit, in risikoreichere Anlagen mit höheren Renditechancen zu investieren. Ältere Anleger haben oft eine geringere Risikotoleranz, da sie in absehbarer Zeit mehr Geld zur Verfügung haben müssen. 

Welche Risiken gibt es selbst bei Aktien, die als sicher bezeichnet werden?

In der Finanztheorie werden die Anlagerisiken, die sich auf den Wert von Vermögenswerten auswirken, im Allgemeinen in zwei Kategorien eingeteilt: das systematische und das unsystematische Risiko. Als Investor sind Sie in aller Regel beiden Typen von Risiko ausgesetzt. 

Systematische Risiken, die auch als Marktrisiken bezeichnet werden, betreffen Faktoren wie politische und makroökonomische Ereignisse, die einen gesamten Wirtschaftsbereich oder einen großen Prozentsatz des Gesamtmarktes betreffen können.  

Das Marktrisiko kann nicht ohne weiteres durch Portfoliodiversifizierung gemindert werden. Mit anderen Worten: Auch sichere Aktien sind betroffen. Andere gängige Arten des systematischen Risikos können das Zins-, Inflations-, Währungs-, Liquiditäts-, Länder- oder soziopolitische Risiko sein. 

Das unsystematische Risiko, auch als spezifisches Risiko bezeichnet, ist eine Kategorie, die nur eine Branche oder ein bestimmtes Unternehmen betrifft.  

Beispiele hierfür sind ein Wechsel in der Geschäftsleitung, ein Produktrückruf, eine Änderung der Vorschriften, die den Umsatz des Unternehmens beeinträchtigen könnte, oder ein neuer Wettbewerber auf dem Markt, der Marktanteile streitig macht. Anleger nutzen häufig Diversifizierung, um unsystematische Risiken zu steuern, indem sie in eine Vielzahl von Vermögenswerten investieren. 

Das Entscheidende ist, dass die Unterscheidung systematisch-unsystematisch helfen kann, Risiken bei ansonsten sicheren Aktien zu erkennen. Hier zwei Beispiele detaillierter betrachtet: 

Das Länderrisiko entsteht, wenn ein Land nicht mehr in der Lage ist, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Sobald das geschieht, kann die Wertentwicklung aller Finanzinstrumente in diesem Land und auch in anderen, mit denen wirtschaftliche Beziehungen bestehen, beeinträchtigt werden. Das Länderrisiko gilt für Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Optionen und Futures, die in einem bestimmten Land ausgegeben werden. Diese Art von Risiko ist am häufigsten in Schwellenländern oder Ländern mit einer hohen Schuldenlast zu beobachten. 

Auch vermeintlich sichere Aktien können von Länderrisiken betroffen sein, ganz unabhängig davon, ob das Geschäftsmodell eines bestimmten Unternehmens solide ist oder nicht.  

Ähnliches gilt für das Wechselkursrisiko. Es kommt für alle Finanzinstrumente, die auf eine andere Währung als Ihre Heimatwährung lauten, zum Tragen. Bei Investitionen im Ausland ist es daher wichtig, zu berücksichtigen, welchen Einfluss die Wechselkurse haben können. Wenn Sie zum Beispiel in Deutschland leben und in eine US-Aktie in Dollar investieren, können Sie, selbst wenn der Wert der Aktie steigt, Geld verlieren, wenn der Dollar im Verhältnis zum Euro an Wert verliert. 

Auch grundsätzlich stabile Aktien können unter dem Wechselkursrisiko leiden, unabhängig von Branche und Managementleistung. 

Anders verhält es sich mit dem Kontrahentenrisiko. Auch in einem ansonsten sehr positiven Geschäftsumfeld können zum Beispiel Managementfehler dazu führen, dass aus sicheren Aktien mehr oder weniger wertlose Papiere werden. 

Im Zweifel: Aktien absichern  

Jedes Anlageportfolio ist also einer Reihe unterschiedlicher Risiken ausgesetzt. Niemand weiß mit Sicherheit, ob oder wann ein Marktcrash bevorsteht. Die gute Nachricht ist: Es gibt Mittel und Wege, Aktien abzusichern, sie zu „hedgen“. 

Hedging bezeichnet eine Strategie, die die Risiken einer Investition abmildert. In vielen Fällen ist ein Hedge ein Instrument, das an Wert gewinnt, wenn das Portfolio an Wert verliert. Der Gewinn aus der Absicherungsstrategie gleicht also einige oder alle Verluste des Portfolios aus. 

Sie können grundsätzlich versuchen, ein einzelnes Wertpapier zu schützen. Wenn aber Einzelwerte mit klar erkennbaren Risiken behaftet sind, ist es oft sinnvoller, die Position zu reduzieren oder ganz zu schließen.  

Als jemand, der an stabilen Aktien interessiert ist, sollten Sie Ihr gesamtes Aktienportfolio hedgen, zum Beispiel mit einem Instrument, das sich auf einen Marktindex bezieht. 

Eine solche Absicherung kann durch den Kauf oder Leerverkauf eines Vermögenswerts erfolgen. Beim Kauf eines Vermögenswerts wie einer Option wird das Risiko auf eine andere Partei übertragen. Leerverkäufe sind eine direktere Form der Durchführung einer Absicherung.  

Hedges sind sehr selten perfekt, und wenn sie es wären, würden sie keine wirkliche Funktion erfüllen, da es weder ein Aufwärts- noch ein Abwärtspotenzial gäbe. Wenn Sie Ihre Aktien absichern, ist das Ziel daher, das Risiko auf ein akzeptables Niveau zu reduzieren, nicht aber, es zu beseitigen. 

Zur Absicherung gibt es unter anderem folgende Optionen: 

Mit Optionen hedgen 

Ein Optionsvertrag ist eine Vereinbarung, die dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht gibt, einen Vermögenswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. In einigen Fällen kann eine Option jederzeit vor dem Verfallsdatum ausgeübt werden, in anderen nur am Verfallsdatum. 

Eine Call-Option gibt dem Inhaber das Recht, den Basiswert zum Ausübungspreis zu kaufen, eine Put-Option zum Ausübungspreis zu verkaufen. Also sind es meistens die Puts, die zu Absicherungszwecken eingesetzt werden. Eine Put-Option gilt als „im Geld“ (ITM - in the money), wenn der aktuelle Kassakurs unter dem Ausübungspreis liegt (im gegenteiligen Fall ist sie "aus dem Geld" oder OTM - out of the money). 

Der für eine Option gezahlte Preis ist die Prämie. Optionen, die weit im Geld sind, sind teurer, da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie werthaltig auslaufen. Das Ziel einer Optionsabsicherung besteht darin, die Auswirkungen eines Marktrückgangs auf ein Portfolio zu verringern. Dies kann auf verschiedene Arten erreicht werden - mit nur einer Option oder mit einer Kombination aus zwei oder drei Optionen. 

Dazu ein einfaches Beispiel: Eine Long-Put-Position ist die einfachste, aber auch die teuerste Optionsabsicherung. In der Regel wird eine Option mit einem Ausübungspreis verwendet, der 5 oder 10 % unter dem aktuellen Marktpreis liegt. Diese Optionen sind zwar billiger, schützen das Portfolio aber nicht gegen die ersten 5 oder 10 %, die der Index fällt. 

Darüber hinaus gibt es noch kompliziertere Strategien mit Optionen wie Collar, Put-Spread und Fence, mit denen man Aktien absichern kann. 

Von Volatilität profitieren  

Der Kauf von Instrumenten, mit denen bei hoher Volatilität ein Gewinn erzielt werden kann, ist eine weitere Möglichkeit zur Absicherung von Aktien. Kaufen könnten Sie zum Beispiel einen ETF, der den VIX Index des Chicago Board of Exchange, der die Erwartungen des Marktes hinsichtlich der relativen Stärke der kurzfristigen Kursänderungen des S&P 500 Index darstellt, abbildet.  

Da die Volatilität in der Regel während Marktkorrekturen ansteigt, gewinnen diese Instrumente an Wert, wenn gleichzeitig eine von Ihnen gehaltene Long-Position in Aktien möglicherweise an Wert verliert.  

Der Kauf von Volatilitäts-ETFs, vor allem zu einem Zeitpunkt, wenn sich der VIX auf einem Tiefstand befindet, kann also eine wirksame Methode zur Absicherung sein. Es ist allerdings zu beachten, dass Volatilitätsprodukte in der Regel mit der Zeit an Wert verlieren. 

Shorting  

Zunächst: Was ist Shorten eigentlich? Die meisten Anleger hoffen, dadurch Gewinne zu erzielen, indem Sie etwas kaufen, was mit der Zeit (und seien dies nur Minuten oder sogar Sekunden) im Wert steigt. Das nennt man eine Long-Position einzugehen. 

Im Gegensatz dazu geht es beim Shorten um Leerverkäufe. Dabei ist das Ziel, von fallenden Kursen zu profitieren. Ein Leerverkauf ist eine Art von Termingeschäft, bei dem zum Beispiel Aktien, die man noch gar nicht besitzt, zum heutigen Kurs verkauft werden.  

Das geschieht in der Hoffnung, dass zu dem Zeitpunkt, an dem man laut vertraglicher Vereinbarung die Aktien dann tatsächlich kaufen muss, deren Kurs gefallen ist. Aus der Differenz zieht der „Shorter“ seinen Gewinn. 

Leerverkäufe können also eine kosteneffiziente Möglichkeit sein, sich gegen einen erwarteten, kurzfristigen Kursrückgang auch von sicheren Aktien abzusichern. 

Anleger können heute börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds oder ETFs) und andere Papiere kaufen, die an Wert gewinnen, wenn der breite Aktienmarkt verliert. Einige dieser Instrumente sind gehebelt, sodass für ein Hedging weniger Kapital erforderlich ist.  

Der Vorteil dieser Wertpapiere ist, dass sie über ein normales Brokerkonto gehandelt werden können, was für Futures oder Optionen meist nicht gilt. Bevor sie jedoch eingesetzt werden, sollten sie sorgfältig geprüft werden, um sicherzustellen, dass sie das zugrunde liegende Wertpapier genau abbilden. 

Neben ETFs bietet sich noch eine zweite, kostengünstige und vergleichsweise einfache Methode an, um stabile Aktien abzusichern: Eine Shortposition mit CFDs eingehen. Bei einem CFD, also Contract for Difference, handelt es sich um einen Finanzkontrakt, bei dem die Differenz zwischen dem Abrechnungskurs bei Eröffnung und bei Abschluss des Geschäfts bezahlt wird.  

CFDs ermöglichen es Anlegern im Wesentlichen, die Richtung von Wertpapieren (steigende oder fallende Kurse) sehr kurzfristig zu handeln. Da es sich auch bei CFDs um sogenannte Hebelprodukte handelt, muss der Hedger darüber hinaus auch nicht den gesamten Kontraktwert einzahlen, sondern lediglich einen prozentualen Anteil als Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin

Gibt es Aktien, die wirklich sicher sind? 

Jeder kennt den alten Spruch: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Tatsächlich ist so gut wie nichts im Leben wirklich sicher. Und auch an den Finanzmärkten sind Risiko und Unsicherheit eine Selbstverständlichkeit.  

Risiken lassen sich zwar selten ganz vermeiden, aber die Absicherung eines Portfolios ist eine Möglichkeit, es vor möglichen Verlusten zu schützen. Das ist zwar mit Kosten verbunden, kann den Anlegern aber das notwendige Gefühl von Sicherheit geben, um langfristige Anlageziele zu erreichen.  

Außerdem kann das richtige Risikomanagement katastrophale Verluste verhindern, wenn beispielsweise ein "Black Swan Event" eintritt. Dabei geht es um einen Vorfall, den man für unmöglich gehalten hatte, bis er schließlich doch eintrifft - auch wenn es so selten ist wie ein schwarzer Schwan. 

Beispiele für Black Swans sind das plötzliche Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 oder die Lehman-Pleite 2008. Egal, wie viele für sich genommen sichere Aktien Sie in Ihrem Depot halten, gegenüber dem Black Swan ist man machtlos.  

Das verdeutlicht auch, dass man die Tiefe eines unbekannten Flusses nie mit beiden Füßen ausloten sollte. Hedgen Sie am besten auch sichere Aktien, zum Beispiel indem Sie eine (Short-)Gegenposition mit CFDs aufbauen. 

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Jens Chrzanowski
Jens Chrzanowski Niederlassungsleiter und Mitglied des globalen Group Management Boards | Berlin |

Gründer und Leiter des deutschen Büros von Admirals seit 2011. Vorherige berufliche Stationen bei FXCM, E*TRADE und der Deutschen Bank.