Was ist Shorten? Leerverkäufe einfach erklärt
Shorten bedeutet, eine Position einzugehen, deren Wert bei fallenden Kursen steigen kann. Beim klassischen Leerverkauf werden geliehene Wertpapiere verkauft und später zurückgekauft. Eine Short-Position kann jedoch auch über Derivate wie CFDs eröffnet werden. Steigt der Kurs entgegen der Erwartung, können Verluste entstehen.

Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Bildungszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Konsultieren Sie einen Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.
An den Finanzmärkten können sich Marktteilnehmer somit nicht nur für steigende, sondern auch für fallende Kurse positionieren. Dabei unterscheiden sich die Funktionsweise, Kosten und Risiken je nach eingesetztem Instrument erheblich. Dieser Artikel erklärt, was Shorten bedeutet, wie ein Leerverkauf funktioniert und was vor dem Eröffnen einer Short-Position beachtet werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
Was bedeutet Shorten?
Der Begriff Shorten bezeichnet eine Positionierung auf fallende Kurse. Synonym werden häufig die Begriffe Short gehen, Short Selling und Leerverkauf verwendet. Sie beschreiben jedoch nicht in jedem Fall exakt denselben Vorgang.
Beim klassischen Leerverkauf verkauft ein Marktteilnehmer Wertpapiere, die er zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besitzt. Die Aktien werden zunächst geliehen, am Markt verkauft und zu einem späteren Zeitpunkt zurückgekauft. Fällt der Kurs zwischen Verkauf und Rückkauf, kann sich aus der Preisdifferenz nach Abzug der Kosten ein Gewinn ergeben. Steigt der Kurs dagegen, entsteht ein Verlust.
Eine Short-Position kann auch über ein Derivat wie einen CFD - Contract for Difference beziehungsweise Differenzkontrakt - eingegangen werden. Dabei wird der zugrunde liegende Basiswert weder erworben noch klassisch geliehen. Der CFD bildet lediglich dessen Kursbewegung ab. Eine ausführliche Erklärung dieses Instruments finden Sie im Admirals-Ratgeber zum CFD-Handel.
Shorten, Short Selling und Leerverkauf im Vergleich
Obwohl die drei Begriffe häufig synonym verwendet werden, hilft eine genauere Unterscheidung:
- Shorten: Überbegriff für eine Positionierung auf einen fallenden Kurs.
- Short Selling: Englische Bezeichnung für das Eingehen einer Short-Position.
- Leerverkauf: Verkauf eines geliehenen Wertpapiers mit der Absicht, es später zurückzukaufen.
- Short-Position: Position, deren Ergebnis von einer negativen Kursentwicklung profitieren kann.
Nicht jede Short-Position ist daher automatisch ein klassischer Leerverkauf. Bei CFDs, Futures oder Put-Optionen kann eine wirtschaftliche Short-Position entstehen, ohne dass der Basiswert tatsächlich geliehen und verkauft wird.
Was ist der Unterschied zwischen Long und Short?
Eine Long-Position basiert auf der Erwartung steigender Kurse. Eine Short-Position richtet sich dagegen auf eine mögliche Abwärtsbewegung. Bei einem Währungspaar bedeutet eine Long-Position, dass auf eine Aufwertung der Basiswährung gegenüber der Kurswährung gesetzt wird. Eine Short-Position drückt die gegenteilige Erwartung aus. Mehr zu diesem Zusammenhang erfahren Sie im Ratgeber zum Devisenhandel für Anfänger.
Bei beiden Positionsrichtungen ist die tatsächliche Wertentwicklung unsicher. Auch eine sorgfältige Marktanalyse kann nicht gewährleisten, dass sich der Kurs wie erwartet entwickelt.
Wie funktioniert Shorten?
Wie Shorten konkret funktioniert, hängt vom verwendeten Finanzinstrument ab. Beim klassischen Leerverkauf werden Wertpapiere zunächst geliehen und anschließend verkauft. Bei Derivaten wie CFDs wird dagegen keine Aktie übertragen. Stattdessen bildet das Instrument die Kursbewegung des Basiswerts ab.
Ein klassischer Leerverkauf in vier Schritten
Ein gedeckter Leerverkauf lässt sich vereinfacht in vier Schritte unterteilen:
- Aktien werden geliehen: Der Marktteilnehmer leiht sich die Wertpapiere über einen Broker oder eine andere Marktpartei.
- Die Aktien werden verkauft: Die geliehenen Wertpapiere werden zum aktuellen Marktpreis veräußert.
- Die Aktien werden zurückgekauft: Um die Position zu schließen, müssen die Wertpapiere später wieder am Markt gekauft werden. Dieser Vorgang wird auch als Deckungskauf bezeichnet.
- Die Aktien werden zurückgegeben: Nach dem Rückkauf erhält der Verleiher die geliehenen Wertpapiere zurück.
Ein positives Ergebnis ist möglich, wenn der Rückkaufkurs unter dem ursprünglichen Verkaufskurs liegt. Steigt der Aktienkurs dagegen, muss die Position möglicherweise zu einem höheren Preis geschlossen werden. Zusätzlich können Leihgebühren, Transaktionskosten und weitere Aufwendungen anfallen.
Aktien shorten - ein einfaches Beispiel
Angenommen, eine Aktie wird bei einem Kurs von 100 Euro leerverkauft:
- Fällt der Kurs auf 80 Euro, kann die Aktie für 80 Euro zurückgekauft werden. Die Bruttodifferenz beträgt 20 Euro je Aktie.
- Steigt der Kurs auf 120 Euro, kostet der Rückkauf 20 Euro mehr als der ursprüngliche Verkauf. Dadurch entsteht ein Bruttoverlust von 20 Euro je Aktie.
Das Beispiel berücksichtigt noch keine Gebühren, Finanzierungskosten, Dividendenanpassungen oder Steuern. Diese können das tatsächliche Ergebnis zusätzlich beeinflussen.
Beim Shorten über einen CFD wird keine Aktie geliehen. Stattdessen eröffnet der Marktteilnehmer eine Sell-Position auf den jeweiligen Basiswert. Die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs bestimmt zusammen mit Positionsgröße, Kosten und möglichen Währungsumrechnungen das Ergebnis. Eine ausführlichere Einordnung finden Sie im Admirals-Ratgeber zu Differenzkontrakten und ihrer Funktionsweise.
Welche Möglichkeiten gibt es, short zu gehen?
Eine Position auf fallende Kurse kann über verschiedene Finanzinstrumente aufgebaut werden. Die Funktionsweise, Kosten und Risiken unterscheiden sich teilweise deutlich. Zudem hängt die Verfügbarkeit einzelner Produkte vom jeweiligen Markt, Kontomodell und der zuständigen Admirals-Gesellschaft ab.
Aktien über einen Leerverkauf shorten
Beim klassischen Leerverkauf werden geliehene Aktien zunächst verkauft und später zurückgekauft. Voraussetzung ist, dass die Wertpapiere für eine Leihe verfügbar sind. Neben möglichen Transaktionskosten können insbesondere Wertpapierleihgebühren und Dividendenkompensationen anfallen.
Man unterscheidet zwischen:
- gedeckten Leerverkäufen, bei denen die Aktien vor dem Verkauf geliehen oder ihre Lieferung sichergestellt wurde;
- ungedeckten Leerverkäufen, bei denen die verkauften Wertpapiere zum Verkaufszeitpunkt weder geliehen wurden noch ihre rechtzeitige Lieferung abgesichert ist.
Für ungedeckte Leerverkäufe gelten innerhalb der Europäischen Union besondere gesetzliche Einschränkungen.
Mit CFDs eine Short-Position eingehen
Bei einem CFD wird der Basiswert nicht direkt gekauft, verkauft oder geliehen. Stattdessen wird eine Vereinbarung über die Kursdifferenz zwischen Eröffnung und Schließung der Position eingegangen.
Eine Short-Position wird grundsätzlich über eine Sell-Order eröffnet. Fällt der Kurs, kann sich daraus ein positives Handelsergebnis ergeben. Steigt der Markt, entsteht dagegen ein Verlust. Da CFDs mit Hebel gehandelt werden können, fallen sowohl mögliche Gewinne als auch mögliche Verluste im Verhältnis zum eingesetzten Kapital stärker aus.
Weitere Grundlagen zur Funktionsweise finden Sie im Admirals-Ratgeber über den CFD-Handel.
Weitere Instrumente für fallende Kurse
Neben Leerverkäufen und CFDs können abhängig vom Markt weitere Instrumente eingesetzt werden:
- Put-Optionen: Sie können dem Käufer das Recht geben, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.
- Futures: Bei Terminkontrakten kann eine Verkaufsposition auf einen späteren Abrechnungstermin eingegangen werden.
- Inverse ETFs: Sie sollen die tägliche Gegenbewegung eines bestimmten Index abbilden.
- Hebelprodukte: Bestimmte Zertifikate oder Optionsscheine können ebenfalls von fallenden Kursen profitieren.
Welches Instrument geeignet erscheint, hängt unter anderem von Anlageziel, Erfahrung, Zeithorizont, Risikotoleranz und Produktkenntnissen ab. Eine Short-Position sollte deshalb nicht allein aufgrund einer erwarteten Kurskorrektur eröffnet werden.
Warum werden Short-Positionen eingesetzt?
Marktteilnehmer können aus unterschiedlichen Gründen short gehen. Meist dient eine Short-Position entweder der Spekulation auf fallende Kurse oder der zeitweisen Absicherung eines bestehenden Portfolios. In beiden Fällen bleibt die zukünftige Marktentwicklung jedoch ungewiss.
Short-Positionen bei erwarteten Kursrückgängen
Wer einen sinkenden Kurs erwartet, kann eine Short-Position eröffnen. Eine solche Einschätzung kann beispielsweise auf fundamentalen Unternehmensdaten, makroökonomischen Entwicklungen oder technischen Signalen beruhen.
Mögliche Gründe für eine negative Markterwartung sind:
- rückläufige Umsätze oder Gewinne eines Unternehmens;
- steigende Zinsen und ungünstigere Finanzierungsbedingungen;
- eine schwächere Konjunktur;
- der Bruch einer technischen Unterstützungszone;
- eine aus Sicht des Marktteilnehmers hohe Bewertung.
Die technische Analyse untersucht historische Kursbewegungen, Chartmuster und weitere Marktdaten. Sie kann mögliche Szenarien aufzeigen, aber keine zukünftige Kursentwicklung zuverlässig vorhersagen.
Bestehende Positionen absichern
Short-Positionen können außerdem zum Hedging eingesetzt werden. Dabei wird eine Gegenposition eröffnet, um bestimmte Risiken eines bestehenden Portfolios zeitweise zu reduzieren.
Besitzt ein Anleger beispielsweise mehrere Aktien, könnte eine Short-Position auf einen passenden Aktienindex einen Teil des allgemeinen Marktrisikos ausgleichen. Fällt der Gesamtmarkt, können mögliche Gewinne aus der Short-Position einen Teil der Verluste des Aktienportfolios kompensieren.
Eine solche Absicherung ist jedoch weder kostenlos noch vollständig. Sie kann laufende Kosten verursachen und bei steigenden Kursen die positive Wertentwicklung des Portfolios reduzieren. Mehr über dieses Prinzip erfahren Sie im Admirals-Ratgeber zu den Grundlagen des Hedgings.
Welche Risiken und Kosten entstehen beim Shorten?
Short-Positionen können erhebliche Verluste verursachen. Beim klassischen Leerverkauf ist das Verlustpotenzial theoretisch nicht nach oben begrenzt: Während ein Aktienkurs höchstens auf null fallen kann, gibt es für seinen möglichen Anstieg keine feste Obergrenze.
Kursanstieg, Hebel und Margin Call
Steigt der Basiswert entgegen der Erwartung, verliert die Short-Position an Wert. Beim Handel mit gehebelten Produkten wie CFDs können bereits kleinere Kursbewegungen das Handelsergebnis deutlich beeinflussen.
Reicht das verfügbare Kapital nicht mehr aus, um die Marginanforderungen für offene Positionen zu erfüllen, kann es zu einem Margin Call oder Stop Out kommen. Positionen können dann automatisch geschlossen werden. Wie Sicherheitsleistung, Hebel und Kontokapital zusammenhängen, erklärt der Admirals-Ratgeber zur Margin im Trading.
Weitere Risiken sind:
- starke Kurssprünge und Kurslücken;
- geringe Marktliquidität;
- Slippage bei der Orderausführung;
- kurzfristig erhöhte Marginanforderungen;
- eine begrenzte Verfügbarkeit ausleihbarer Aktien.
Was ist ein Short Squeeze?
Ein Short Squeeze entsteht, wenn ein stark geshorteter Basiswert deutlich steigt und viele Marktteilnehmer ihre Short-Positionen schließen. Bei klassischen Leerverkäufen müssen dafür Aktien zurückgekauft werden.
Die zusätzliche Nachfrage kann den Kursanstieg weiter beschleunigen und andere Short Seller ebenfalls zum Schließen ihrer Positionen veranlassen. Besonders bei volatilen oder wenig liquiden Aktien können dadurch schnelle und erhebliche Kursbewegungen auftreten.
Welche Kosten können anfallen?
Die tatsächlichen Kosten hängen vom Instrument, Markt, Kontomodell und der Haltedauer ab. Möglich sind unter anderem:
- Spread und Orderprovision;
- Wertpapierleihgebühren;
- Finanzierungskosten beziehungsweise Swaps;
- Dividendenanpassungen;
- Währungsumrechnungskosten.
Vor dem Eröffnen einer Position sollten deshalb stets die jeweiligen Kontraktspezifikationen geprüft werden. Einen Überblick über mögliche Gebühren bietet der Admirals-Ratgeber zu den Trading-Kosten.
Wie eröffnet und schließt man eine Short-Position?
Der genaue Ablauf hängt vom Finanzinstrument und der verwendeten Handelsplattform ab. Vor der Order sollten insbesondere Positionsgröße, mögliche Kosten und das maximale Verlustrisiko festgelegt werden.
Short-Position in fünf Schritten vorbereiten
- Markt analysieren: Prüfen Sie, welche fundamentalen, technischen oder makroökonomischen Faktoren für fallende Kurse sprechen könnten.
- Instrument auswählen: Entscheiden Sie, ob die Position beispielsweise über einen Leerverkauf, CFD, Future oder eine Option umgesetzt werden soll. Bei Admirals können Short-Positionen über CFDs auf verschiedene Basiswerte eröffnet werden, darunter Währungspaare, Rohstoffe, Indizes, Aktien, ETFs und Anleihen. Die konkrete Verfügbarkeit hängt vom Kontomodell und der zuständigen Admirals Gesellschaft ab
- Risiko festlegen: Bestimmen Sie Positionsgröße, Ausstiegspunkt und maximal akzeptierten Verlust.
- Short-Position eröffnen: Bei einem CFD erfolgt dies grundsätzlich über eine Sell-Order.
- Position schließen: Die Short-Position wird durch eine entgegengesetzte Kauforder beziehungsweise einen Deckungskauf beendet.
Risikomanagement beim Shorten
Ein Handelsplan sollte bereits vor der Positionseröffnung festlegen, wann die ursprüngliche Markteinschätzung als widerlegt gilt. Zu den möglichen Instrumenten des Risikomanagements gehören:
- eine zur Kontogröße passende Positionsgröße;
- ein vorab definierter Stop Loss;
- ein mögliches Gewinnziel;
- die Kontrolle der verfügbaren Margin;
- die Berücksichtigung von Volatilität und laufenden Kosten.
Eine Stop-Loss-Order kann Verluste begrenzen, garantiert bei Kurslücken oder starken Marktbewegungen jedoch nicht immer eine Ausführung exakt zum gewünschten Preis. Weitere Grundlagen finden Sie im Admirals-Ratgeber zum Risikomanagement im Trading.
Shorten zunächst im Demokonto kennenlernen
In einem Demokonto können Marktteilnehmer die Handelsplattform, Orderarten und Short-Positionen mit virtuellem Kapital testen, ohne eigenes Kapital einzusetzen. Die Simulation bildet reale Bedingungen jedoch nicht vollständig ab: Emotionale Belastung, Liquidität und Orderausführung können sich im Live-Handel anders darstellen.
Mehr über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Übungsform erfahren Sie im Beitrag zum Paper Trading im Demokonto.
Häufig gestellte Fragen zum Shorten
Was bedeutet Shorten einfach erklärt?
Shorten bedeutet, eine Position einzugehen, die von fallenden Kursen profitieren kann. Beim klassischen Leerverkauf werden geliehene Wertpapiere verkauft und später zurückgekauft. Eine Short-Position kann jedoch auch über Derivate wie CFDs, Futures oder Put-Optionen entstehen.
Wie kann man eine Aktie shorten?
Eine Aktie kann klassisch leerverkauft werden, indem sie zunächst geliehen, verkauft und später zurückgekauft wird. Alternativ lässt sich abhängig vom jeweiligen Angebot eine Short-Position über Derivate wie Aktien-CFDs, Futures oder Put-Optionen eingehen.
Was ist der Unterschied zwischen Shorten und Leerverkauf?
Shorten ist der allgemeine Begriff für eine Positionierung auf fallende Kurse. Ein Leerverkauf ist eine konkrete Form des Shortens, bei der geliehene Wertpapiere verkauft werden. Bei Derivaten kann dagegen eine Short-Position entstehen, ohne den Basiswert tatsächlich zu leihen.
Kann man beim Shorten mehr als den Einsatz verlieren?
Beim klassischen Leerverkauf einer Aktie ist das Verlustpotenzial theoretisch unbegrenzt, da der Aktienkurs ohne feste Obergrenze steigen kann. Bei gehebelten Produkten hängen mögliche Verluste außerdem vom Instrument, der Positionsgröße, den Marginanforderungen und den geltenden Schutzmechanismen ab.
Was ist ein Short Squeeze?
Ein Short Squeeze ist ein schneller Kursanstieg, bei dem zahlreiche Marktteilnehmer ihre Short-Positionen schließen. Die dafür erforderlichen Rückkäufe erhöhen die Nachfrage und können den Kurs zusätzlich nach oben treiben.
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