RSI Indikator verstehen: Werte, Berechnung und Strategien [2026]

Der RSI Indikator, kurz für Relative Strength Index, ist ein Momentum-Oszillator der technischen Analyse. Er zeigt auf einer Skala von 0 bis 100, wie stark die jüngsten positiven Kursbewegungen im Verhältnis zu den negativen Kursbewegungen waren. Werte über 70 gelten häufig als überkauft, Werte unter 30 als überverkauft. Diese Bereiche sind jedoch keine automatischen Kauf- oder Verkaufssignale, sondern müssen immer im jeweiligen Markt- und Trendkontext bewertet werden.

Trader analysiert den RSI-Indikator anhand eines Kurscharts und eines Oszillators

Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Bildungszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Konsultieren Sie einen Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.

Die Standardeinstellung des Relative Strength Index umfasst 14 Perioden und wird deshalb häufig als RSI 14 bezeichnet. Der Indikator kann dabei helfen, das Kursmomentum, mögliche Divergenzen sowie Phasen nachlassender oder zunehmender Marktstärke zu erkennen. Für eine fundierte Analyse sollte er jedoch nicht isoliert, sondern zusammen mit weiteren Analysewerkzeugen und einem klaren Risikomanagement verwendet werden.

Was ist der RSI Indikator und wie funktioniert er?

Der RSI Indikator ist ein Werkzeug der technischen Analyse, das die Geschwindigkeit und das Ausmaß jüngster Kursbewegungen untersucht. Die Abkürzung RSI steht für Relative Strength Index, auf Deutsch Relative-Stärke-Index. Entwickelt wurde der Indikator von dem technischen Analysten J. Welles Wilder, der ursprünglich eine Berechnung über 14 Perioden empfahl.

Der Relative Strength Index als Momentum-Indikator

Der RSI gehört zur Gruppe der technischen Momentum-Indikatoren. Er vergleicht die durchschnittlichen positiven Kursveränderungen eines ausgewählten Zeitraums mit den durchschnittlichen negativen Veränderungen. Überwiegen die Kursgewinne, steigt der RSI. Überwiegen die Kursverluste, fällt er.

Das Ergebnis wird als Linie zwischen 0 und 100 in einem separaten Fenster unter dem Kurschart dargestellt. Dadurch lässt sich erkennen, ob sich das Momentum eines Marktes verstärkt oder abschwächt. Der RSI misst allerdings nicht direkt, ob sich ein Finanzinstrument in einem Aufwärts- oder Abwärtstrend befindet. Ein Markt kann beispielsweise weiter steigen, obwohl der RSI bereits einen hohen Wert erreicht hat.

Was der RSI misst - und was nicht

Der RSI analysiert  Der RSI zeigt nicht 
Geschwindigkeit jüngster Kursbewegungen  Den fundamentalen Wert eines Finanzinstruments 
Verhältnis von Kursgewinnen zu Kursverlusten  Eine garantiert bevorstehende Trendumkehr 
Positives oder negatives Momentum  Einen sicheren Ein- oder Ausstieg 
Mögliche überkaufte oder überverkaufte Phasen  Ob ein Markt objektiv „zu teuer“ oder „zu günstig“ ist 

Der Begriff „Relative Strength“ darf außerdem nicht mit einem direkten Vergleich der Wertentwicklung zweier Finanzinstrumente verwechselt werden. Beim RSI bezieht sich die relative Stärke auf das Verhältnis der eigenen positiven und negativen Kursbewegungen eines Marktes.

Für eine bessere Einordnung sollte der RSI gemeinsam mit der Marktstruktur, Unterstützungs- und Widerstandszonen sowie der Kursentwicklung in einem Candlestick-Chart betrachtet werden. So lässt sich vermeiden, dass einzelne RSI-Werte ohne ausreichenden Kontext als eindeutige Trading-Signale interpretiert werden.

RSI berechnen: Formel und RSI 14 einfach erklärt

Die Berechnung des RSI Indikators basiert auf dem Verhältnis der durchschnittlichen Kursgewinne zu den durchschnittlichen Kursverlusten innerhalb eines festgelegten Zeitraums. Standardmäßig werden dafür 14 Perioden verwendet.

Die RSI-Formel besteht aus zwei Schritten:

Relative Stärke = durchschnittlicher Kursgewinn ÷ durchschnittlicher Kursverlust

RSI = 100 − [100 ÷ (1 + relative Stärke)]

Für die Berechnung werden ausschließlich die Kursveränderungen innerhalb des gewählten Zeitraums betrachtet:

  1. Positive Kursveränderungen werden als Gewinne erfasst.
  2. Negative Kursveränderungen werden als Verluste erfasst.
  3. Daraus werden die durchschnittlichen Gewinne und Verluste berechnet.
  4. Beide Werte werden ins Verhältnis gesetzt.
  5. Das Ergebnis wird auf die RSI-Skala zwischen 0 und 100 übertragen.

Je stärker die durchschnittlichen Kursgewinne gegenüber den Verlusten ausfallen, desto höher ist der RSI-Wert. Überwiegen dagegen die Kursverluste, bewegt sich der RSI in Richtung null.

In der Praxis müssen Trader den RSI nicht manuell berechnen. Handelsplattformen wie der MetaTrader 5 führen die Berechnung automatisch durch und aktualisieren den Wert mit jeder abgeschlossenen Periode.

Was bedeutet RSI 14?

Der Begriff RSI 14 beschreibt die Standardeinstellung des Indikators mit einem Berechnungszeitraum von 14 Perioden. Eine Periode entspricht dabei der gewählten Zeiteinheit im Chart:

  • Beim RSI 14 basiert die anfängliche Berechnung auf 14 Chartperioden. Anschließend werden neue Kursbewegungen mithilfe der von Wilder entwickelten Glättungsmethode einbezogen.
  • Im Stundenchart werden die letzten 14 Stundenkerzen berücksichtigt.
  • Im 15-Minuten-Chart basiert er auf den letzten 14 Kerzen zu je 15 Minuten.

Die Zahl 14 steht somit nicht automatisch für 14 Kalendertage. Ihre Bedeutung hängt immer vom ausgewählten Zeitrahmen ab.

Kürzere Einstellungen wie RSI 7 reagieren schneller auf neue Kursbewegungen, können aber auch mehr Fehlsignale erzeugen. Längere Einstellungen wie RSI 21 verlaufen ruhiger, reagieren jedoch später. Eine universell beste RSI-Einstellung gibt es daher nicht.

RSI-Werte interpretieren: Überkauft, überverkauft und die 50-Linie

Der RSI Indikator bewegt sich zwischen 0 und 100. Für die Interpretation werden häufig die Schwellenwerte 30, 50 und 70 verwendet. Sie helfen dabei, das aktuelle Momentum einzuordnen, stellen jedoch keine sicheren Kauf- oder Verkaufssignale dar.

Tabelle: RSI-Werte und ihre mögliche Bedeutung
RSI-Wert  Häufige Interpretation  Wichtige Einschränkung 
Über 70  Starkes positives Momentum, häufig als überkauft bezeichnet  Kein automatisches Verkaufssignal 
50 bis 70  Positives Momentum kann überwiegen  Trend und Marktstruktur prüfen 
30 bis 50  Negatives Momentum kann überwiegen  Allein kein ausreichendes Einstiegssignal 
Unter 30  Starkes negatives Momentum, häufig als überverkauft bezeichnet  Kein automatisches Kaufsignal 

Was bedeutet ein RSI über 70?

Ein RSI-Wert über 70 wird traditionell als überkauft bezeichnet. Das bedeutet zunächst nur, dass die positiven Kursbewegungen der betrachteten Perioden deutlich stärker waren als die negativen.

Der Begriff „überkauft“ bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Finanzinstrument fundamental zu teuer ist oder unmittelbar fallen muss. In einem starken Aufwärtstrend kann der RSI längere Zeit über 70 bleiben, während der Kurs weiter steigt.

Ein mögliches Signal entsteht deshalb nicht allein durch das Überschreiten der 70-Linie. Aussagekräftiger kann es sein, wenn der RSI anschließend wieder unter 70 fällt und diese Bewegung durch den Kursverlauf oder weitere Analysewerkzeuge bestätigt wird.

Was bedeutet ein RSI unter 30?

Ein RSI-Wert unter 30 wird häufig als überverkauft eingeordnet. In diesem Fall waren die jüngsten Kursverluste im Durchschnitt stärker als die Kursgewinne.

Auch ein überverkaufter RSI stellt kein automatisches Kaufsignal dar. In einem ausgeprägten Abwärtstrend kann der Wert über längere Zeit unter 30 bleiben. Ein verfrühter Einstieg könnte deshalb zu weiteren Verlusten führen.

Trader können unter anderem auf folgende Bestätigungen achten:

  • Der RSI steigt wieder über die 30-Linie.
  • Der Kurs reagiert an einer Unterstützungszone.
  • Im Chart bildet sich ein mögliches Umkehrmuster.
  • Das negative Momentum schwächt sich sichtbar ab.
  • Es entsteht eine bullische RSI-Divergenz.

Welche Bedeutung hat die RSI-50-Linie?

Die 50-Linie bildet den Mittelpunkt der RSI-Skala und kann als zusätzlicher Momentumfilter dienen:

  • RSI über 50: Positives Momentum kann überwiegen.
  • RSI unter 50: Negatives Momentum kann überwiegen.
  • Kreuzung der 50-Linie: Kann auf eine Veränderung des Momentums hindeuten.

Auch die 50-Linie sollte nicht isoliert verwendet werden. Besonders bei hoher Volatilität kann der RSI die Mittellinie mehrfach kreuzen, ohne dass daraus ein stabiler Trend entsteht.

Die Interpretation hängt somit stark von der Marktphase ab. In Seitwärtsmärkten können die Bereiche 30 und 70 eine größere Bedeutung haben. In starken Trends ist dagegen häufig die Richtung des Momentums wichtiger als das bloße Erreichen eines Extremwertes.

RSI-Divergenzen erkennen

Eine RSI-Divergenz entsteht, wenn sich Kurs und Indikator unterschiedlich entwickeln. Sie kann darauf hinweisen, dass das bestehende Momentum nachlässt.

  • Bullische Divergenz: Der Kurs bildet ein tieferes Tief, während der RSI ein höheres Tief erreicht.
  • Bärische Divergenz: Der Kurs markiert ein höheres Hoch, während der RSI ein tieferes Hoch bildet.
  • Versteckte Divergenz: Sie wird eher als mögliches Signal für eine Trendfortsetzung interpretiert.

Divergenzen kündigen nicht zuverlässig eine Trendumkehr an. Sie sollten durch Kursmuster, Unterstützungen und Widerstände oder weitere Indikatoren bestätigt werden. In starken Trends können Divergenzen längere Zeit bestehen, bevor der Kurs reagiert.

RSI-Strategien, Einstellungen und Anwendung im MetaTrader 5

Eine einfache RSI-Strategie verbindet den Indikator mit dem übergeordneten Trend. In einem Aufwärtstrend können Rückgänge des RSI in Richtung 40 bis 50 beobachtet werden. In einem Abwärtstrend kann der Bereich zwischen 50 und 60 als mögliche Widerstandszone des Momentums dienen.

Zur zusätzlichen Bestätigung lässt sich der RSI beispielsweise mit dem MACD Indikator oder einem gleitenden Durchschnitt kombinieren. Der zweite Indikator kann den Trend einordnen, während der RSI Hinweise auf die aktuelle Dynamik liefert.

Für die RSI-Einstellung gilt:

  • RSI 7 bis 9: reagiert schneller, erzeugt aber mehr Marktrauschen
  • RSI 14: verbreitete Standardeinstellung
  • RSI 21 oder höher: reagiert langsamer und liefert weniger Signale

Im MetaTrader 5 finden Sie den Indikator unter Einfügen → Indikatoren → Oszillatoren → Relative Strength Index. Eine universell beste Einstellung gibt es nicht. Zeitraum, Markt und Handelsansatz müssen zusammenpassen.

Kein RSI-Signal ersetzt ein angemessenes Risikomanagement im Trading. Vor einer möglichen Position sollten Einstieg, Ausstieg, Positionsgröße und Verlustbegrenzung festgelegt werden.

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Häufig gestellte Fragen zum RSI Indikator

Was ist der RSI Indikator?

Der Relative Strength Index ist ein Momentum-Oszillator. Er vergleicht jüngste Kursgewinne und Kursverluste und stellt das Ergebnis auf einer Skala von 0 bis 100 dar.

Was bedeutet ein RSI über 70?

Ein Wert über 70 weist häufig auf starkes positives beziehungsweise überkauftes Momentum hin. Er ist jedoch kein automatisches Verkaufssignal.

Was bedeutet ein RSI unter 30?

Ein Wert unter 30 wird häufig als überverkauft interpretiert. In starken Abwärtstrends kann der RSI jedoch längere Zeit in diesem Bereich bleiben.

Welche RSI-Einstellung ist die beste?

RSI 14 ist die gängige Standardeinstellung. Kürzere Perioden reagieren schneller, längere Perioden filtern mehr kurzfristige Schwankungen.

Wie zuverlässig ist der RSI Indikator?

Der RSI kann hilfreiche Hinweise liefern, produziert aber auch Fehlsignale. Seine Aussagekraft verbessert sich, wenn Trend, Kursstruktur, Bestätigungssignale und Risikomanagement berücksichtigt werden.

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Stanislav Todorov
Stanislav Todorov Finanzautor, Admirals

Stanislav ist Finanzanalyst mit Hintergrund in Wirtschaft und Technologie. Er liefert klare, datengestützte Analysen und erstellt Bildungsinhalte, Investment-Trainings und finanzbezogene Materialien für verschiedene Zielgruppen.

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