Angst und Gier Index im Trading: Marktstimmung richtig verstehen [2026]
„Seien Sie ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind“ – dieses bekannte Zitat von Warren Buffett beschreibt einen zentralen Grundsatz im Trading und an den Finanzmärkten. Denn Emotionen wie Angst und Gier haben einen erheblichen Einfluss auf die Marktstimmung und damit oft auch auf Kursbewegungen.
Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Bildungszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Konsultieren Sie einen Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.
Unkontrollierte Emotionen können Anlegern im Trading zum Nachteil werden. Gleichzeitig kann die Analyse der Stimmung anderer Marktteilnehmer dabei helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen. Genau hier setzt der Angst und Gier Index an: Als Sentiment Indikator versucht er, die aktuelle Marktstimmung messbar zu machen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie der Angst und Gier Index funktioniert, wie er als konträrer Indikator genutzt werden kann und welche Rolle die allgemeine Marktstimmung im Trading spielt.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein konträrer Indikator?
- Was ist der Angst und Gier Index?
- Marktstimmung analysieren mit dem Angst und Gier Index
- Wie lassen sich Markt-Hochs und -Tiefs im Trading erkennen?
- Weitere technische Indikatoren in Kombination mit dem Angst und Gier Index
- Fazit: Was der Angst und Gier Index für Trader leisten kann
- Häufig gestellte Fragen zum Angst und Gier Index
Was ist ein konträrer Indikator?
Ein konträrer Indikator ist ein Werkzeug, mit dem Trader Situationen erkennen können, in denen die vorherrschende Marktstimmung möglicherweise übertrieben ist und sich Kurse in naher Zukunft in die entgegengesetzte Richtung bewegen könnten.
Die Grundidee hinter konträrem Trading ist vergleichsweise einfach: Wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer übermäßig optimistisch oder stark pessimistisch ist, kann sich der Markt entgegen dieser Stimmung entwickeln.
Doch warum ist das so?
Wenn die Marktstimmung extreme Werte erreicht, kann dies darauf hindeuten, dass viele Anleger bereits entsprechend positioniert sind. In solchen Phasen bleibt oft weniger „neue Nachfrage“ übrig, wodurch Märkte anfälliger für eine Gegenbewegung werden. Dieses Prinzip kann grundsätzlich für verschiedene Anlageklassen gelten – unabhängig davon, ob es sich um Aktien, Indizes oder andere Märkte handelt.
Neben dem Angst und Gier Index gibt es weitere bekannte Sentiment Indikatoren, die häufig als konträre Indikatoren genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise der Volatilitätsindex (VIX) sowie das Put/Call-Verhältnis. Sehr hohe Werte in solchen Indikatoren können auf ausgeprägte Angst oder starke Spekulation am Markt hindeuten.
Trader und Anleger nutzen konträre Indikatoren, um mögliche Kaufgelegenheiten in Phasen starker Unsicherheit oder potenzielle Verkaufsgelegenheiten in Zeiten ausgeprägter Euphorie zu identifizieren. Wie bei allen Indikatoren gilt jedoch: Sie werden häufig in Kombination mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse eingesetzt, um ein umfassenderes Bild der Marktsituation zu erhalten.
Im weiteren Verlauf des Artikels betrachten wir einige Beispiele, wie sich solche Ansätze im Trading kombinieren lassen.
Was ist der Angst und Gier Index?
Eine Möglichkeit, die aktuelle Marktstimmung zu analysieren, besteht in der Nutzung eines sogenannten Angst und Gier Index – eines bekannten Sentiment Indikators im Trading.
Ein häufig genutztes Beispiel ist der CNN Angst und Gier Index, der verschiedene Faktoren berücksichtigt, darunter:
- Marktdynamik
- Marktbreite
- Optionsaktivität
- Volatilität
- Nachfrage nach sicheren Anlagen (Safe-Haven-Assets)
Diese Komponenten werden kombiniert, um die Stimmung am Markt – häufig bezogen auf den S&P 500 – auf einer Skala von 0 (Extreme Angst) bis 100 (Extreme Gier) darzustellen. Niedrige Werte deuten in der Regel auf pessimistische Marktteilnehmer hin, während hohe Werte auf eine optimistische oder sogar übermäßig euphorische Stimmung hindeuten können.
Der Angst und Gier Index wird häufig als Skala dargestellt, kann jedoch auch im Zeitverlauf analysiert werden, um Veränderungen in der Marktstimmung besser zu erkennen.
Es ist wichtig zu beachten, dass dieser Sentiment Indikator zu den sogenannten gleichlaufenden Indikatoren gehört. Das bedeutet, dass er in erster Linie die aktuelle Stimmung widerspiegelt. Dennoch kann er in bestimmten Situationen Hinweise auf mögliche zukünftige Entwicklungen liefern, insbesondere wenn extreme Werte erreicht werden.
Nachfolgend sehen Sie den aktuellen Stand des Angst und Gier Index, der die derzeitige Marktstimmung zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels widerspiegelt:
Angst und Gier Index vs. VIX: Zwei Indikatoren der Marktstimmung im Vergleich
Eine weitere bekannte Methode zur Analyse der Marktstimmung ist der Volatilitätsindex (VIX). Während der Angst und Gier Index die Stimmung der Anleger anhand verschiedener Faktoren misst, konzentriert sich der VIX auf die erwartete Schwankungsbreite des Marktes.
Der VIX basiert auf Optionen des S&P 500 und zeigt die erwartete Volatilität für die kommenden 30 Tage. Steigende Werte können auf zunehmende Unsicherheit oder Angst unter den Marktteilnehmern hindeuten, während niedrige Werte häufig mit ruhigeren Marktphasen verbunden sind.
Sowohl der Angst und Gier Index als auch der VIX werden häufig als Sentiment Indikatoren genutzt, um die aktuelle Stimmung am Markt besser zu verstehen. Während der Angst und Gier Index mehrere Faktoren kombiniert, liefert der VIX einen spezifischen Blick auf die erwartete Volatilität.
In der Praxis nutzen viele Trader beide Indikatoren ergänzend, um ein umfassenderes Bild der Marktstimmung zu erhalten und mögliche Extremphasen besser einzuordnen.
Nachfolgend sehen Sie, wie sich die VIX-Futures aktuell entwickeln:
Es ist wichtig zu beachten, dass der Volatilitätsindex (VIX) einer von mehreren Faktoren ist, die in die Berechnung des Angst und Gier Index einfließen. Da der Angst und Gier Index mehrere Komponenten kombiniert, gilt er als umfassenderer Sentiment Indikator zur Analyse der Marktstimmung.
Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass es neben dem Angst und Gier Index und dem VIX auch weitere Instrumente zur Bewertung der Marktstimmung gibt. Kein einzelner Indikator liefert ein vollständiges Bild der Marktsituation.
Marktstimmung analysieren mit dem Angst und Gier Index
Betrachten wir den Zusammenhang zwischen dem Angst und Gier Index und dem S&P 500 über einen Zeitraum von einem Jahr. Dabei ist zu beachten, dass die Analyse solcher Zusammenhänge über längere Zeiträume hinweg oft aussagekräftigere Ergebnisse liefern kann.
Es lässt sich erkennen, dass Phasen extremer Angst im Angst und Gier Index häufig in der Nähe von Markttiefs auftreten, während ausgeprägte Werte extremer Gier tendenziell mit möglichen Markthochs zusammenfallen können.
So ist beispielsweise zu beobachten, dass der Index bis zum 20. November 2025 gefallen ist und dort ein Tief erreicht hat – am selben Tag begann der S&P 500 eine Erholungsbewegung. Im Gegensatz dazu befand sich der Markt zwischen Anfang Juli 2025 und dem 24. Juli 2025 in einer Phase „extremer Gier“, in der der Index hohe Werte aufwies, während der S&P 500 ein lokales Hoch ausbildete.
Diese Beobachtungen greifen den Grundgedanken auf, mit dem wir den Artikel eingeleitet haben: Wenn viele Marktteilnehmer sehr optimistisch sind, könnte der Markt nahe eines Hochs liegen. Umgekehrt kann extreme Angst darauf hindeuten, dass sich der Markt in der Nähe eines Tiefpunkts befindet.
Das bekannte Prinzip „Seien Sie vorsichtig, wenn andere gierig sind, und zuversichtlicher, wenn andere ängstlich sind“ wird daher häufig im Zusammenhang mit der Analyse der Marktstimmung genannt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass solche Ansätze keine Garantie für zukünftige Entwicklungen darstellen und nicht als Anlageberatung zu verstehen sind.
Wie lassen sich Markt-Hochs und -Tiefs im Trading erkennen?
Nachdem wir die Grundlagen des Angst und Gier Index betrachtet haben, stellt sich die Frage, wie sich dieser Sentiment Indikator mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse kombinieren lässt, um mögliche Markt-Hochs und -Tiefs genauer einzuordnen.
Ein möglicher Ansatz besteht darin, mehrere Indikatoren miteinander zu kombinieren, zum Beispiel:
- den Relative Strength Index (RSI) zusammen mit seinem gleitenden Durchschnitt
- den 20-Tage gleitenden Durchschnitt des S&P 500
- den Angst und Gier Index zur Analyse der Marktstimmung
Zu beobachten ist beispielsweise, dass sich der Angst und Gier Index ab Ende März 2025 im Bereich „extreme Angst“ bewegt. Gleichzeitig notiert der S&P 500 im Tageschart unter seinem 20-Tage-Durchschnitt, während der RSI in den „überverkauften“ Bereich fällt.
Am 8. April erreichen sowohl der RSI als auch der Angst und Gier Index sowie der S&P 500 ein Tief. In der Folge steigt der RSI aus dem überverkauften Bereich an und kreuzt seinen gleitenden Durchschnitt von unten nach oben. Dies kann als mögliches Signal dafür interpretiert werden, dass sich ein Markttief gebildet haben könnte.
Im Gegensatz dazu zeigt der Angst und Gier Index zwischen Anfang Juli und dem 24. Juli eine Phase „extremer Gier“. Gleichzeitig bewegt sich der RSI erneut in Richtung überverkaufter Werte. Allerdings schließt der S&P 500 in diesem Zeitraum nicht nachhaltig unter seinem 20-Tage-Durchschnitt, sodass kein klar bestätigtes Markthoch erkennbar ist.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei lediglich um ein Beispiel für eine mögliche Herangehensweise handelt. Die Kombination verschiedener Indikatoren kann dabei helfen, die Marktstimmung besser einzuordnen, liefert jedoch keine sicheren Vorhersagen.
Bevor eine Strategie im realen Handel eingesetzt wird, wird häufig empfohlen, diese zunächst in einer risikofreien Umgebung – etwa mit einem Demokonto – zu testen.
Weitere technische Indikatoren in Kombination mit dem Angst und Gier Index
Der Relative Strength Index (RSI) ist nicht der einzige technische Indikator, der sich mit einem Sentiment Indikator wie dem Angst und Gier Index kombinieren lässt, um mögliche Markt-Hochs und -Tiefs besser einzuordnen.
Im Folgenden finden Sie weitere Beispiele für Indikatoren, die häufig im Zusammenhang mit der Analyse der Marktstimmung verwendet werden.
Bollinger Bänder
Bollinger Bänder messen die Volatilität eines Marktes sowie die Abweichung des Preises von seinem Durchschnitt.
Wenn Kurse während Phasen extremer Angst das untere Band erreichen oder darunter fallen, kann dies darauf hindeuten, dass der Markt überverkauft ist und sich möglicherweise in der Nähe eines Tiefpunkts befindet.
Umgekehrt können Kurse in der Nähe des oberen Bandes – insbesondere in Phasen ausgeprägter Gier – darauf hindeuten, dass der Markt überdehnt ist und ein Rückgang möglich sein könnte.
Im obigen Chart lassen sich solche Situationen beispielsweise am 8. April sowie am 20. November beobachten.
Volumenindikatoren
Volumenindikatoren wie das On-Balance Volume (OBV) oder der Money Flow Index (MFI) können dabei helfen zu beurteilen, ob eine Marktbewegung durch tatsächlichen Kauf- oder Verkaufsdruck unterstützt wird.
Beispielsweise kann extreme Angst, die von steigendem Volumen begleitet wird, darauf hindeuten, dass Marktteilnehmer Positionen aufbauen. Umgekehrt kann extreme Gier bei gleichzeitig rückläufigem Volumen ein Hinweis darauf sein, dass die Nachfrage nachlässt.
Fazit: Was der Angst und Gier Index für Trader leisten kann
Sie sollten nun besser einschätzen können, wie sich die Marktstimmung analysieren lässt und welche Rolle der Angst und Gier Index dabei spielen kann. In Kombination mit weiteren technischen Indikatoren kann dieser Sentiment Indikator dabei helfen, Marktpsychologie und Kursverhalten gemeinsam zu betrachten.
Auf diese Weise lassen sich Phasen extremer Angst oder ausgeprägter Gier besser einordnen, insbesondere wenn sie mit technischen Signalen zusammentreffen. Das kann Tradern helfen, potenzielle Wendepunkte am Markt strukturierter zu analysieren. Dennoch gilt: Auch der Angst und Gier Index sollte nicht isoliert verwendet werden, sondern als Teil einer umfassenderen Marktanalyse.
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Häufig gestellte Fragen zum Angst und Gier Index
Wie funktioniert der Angst und Gier Index?
Der Angst und Gier Index analysiert und kombiniert mehrere Faktoren – darunter Volatilität, Marktdynamik und die Nachfrage nach sicheren Anlagen – zu einem Gesamtwert, der die aktuelle Marktstimmung widerspiegeln soll. Niedrige Werte deuten eher auf Angst hin, während hohe Werte auf Gier hindeuten können.
Welcher Wert beim Angst und Gier Index ist gut?
Einen eindeutig „guten“ Wert gibt es nicht. Besonders relevant sind meist extreme Ausschläge. Sehr niedrige Werte können auf Panik am Markt hinweisen, während sehr hohe Werte auf übermäßigen Optimismus hindeuten können.
Was ist der Unterschied zwischen dem Angst und Gier Index und dem VIX?
Der Volatilitätsindex (VIX) misst in erster Linie die erwartete Schwankungsintensität am Markt. Der Angst und Gier Index kombiniert dagegen mehrere Indikatoren – darunter auch Volatilität –, um ein breiteres Bild der Marktstimmung zu liefern.
Wie nutzen Trader den Angst und Gier Index?
Viele Trader verwenden den Angst und Gier Index, um extreme Stimmungsphasen am Markt zu erkennen. Ausgeprägte Angst kann dabei als Hinweis auf eine überverkaufte Marktsituation interpretiert werden, während extreme Gier auf Vorsicht hindeuten kann. Der Indikator wird jedoch häufig zusammen mit weiteren Werkzeugen der technischen Analyse eingesetzt.
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