EURUSD Analyse: Wahlkampfendspurt in den USA

Oktober 14, 2020 12:00
  • EUR/USD Analyse mit Set-ups und Wochenausblick - für aktive Forex-Trader

Die USA begeben sich in den Schlussspurt des US-Präsidentenwahlkampf. Zwar liegt der demokratische Herausforderer in den Umfragen in Führung, was aber nicht bedeutet, dass er die Wahlmänner zusammen bekommt, die er für die Mehrheit braucht.

Die USA begeben sich in den Schlussspurt des US-Präsidentenwahlkampf. Zwar liegt der demokratische Herausforderer in den Umfragen in Führung, was aber nicht bedeutet, dass er die Wahlmänner zusammen bekommt, die er für die Mehrheit braucht. Der amtierende US-Präsident ist jetzt, wieder genesen, erneut auf Wahlkampftour, um insbesondere in den Swing States zu punkten. Nach wie vor mahnt er nicht zur Vorsicht im Umgang miteinander und verharmlost das Corona Virus. Ein Impfstoff ist in seinen Worten in Bälde verfügbar, die Wirtschaft wird wieder Tritt fassen, und es wird noch phantastischer wie vorher - so sein Briefing. Zwar beginnt auch die US-Wirtschaft sich wieder zu stabilisieren, die tatsächlichen Herausforderungen werden sich aber erst in den nächsten Jahren einstellen. Die US-Schulden sind in den letzten vier Jahren um 25% gestiegen und liegen aktuell bei sagenhaften 24 Billionen Dollar. In den kommenden vier Jahren sollen weitere 5 Billionen Dollar Schulden dazukommen. Auch der amerikanische Staatshaushalt profitiert von den niedrigen Zinsen. Ein Zinsanstieg würde den Haushalt weiter belasten.

Belasten wird die EU ein harter Brexit, der zunehmend wahrscheinlicher wird. Nach Vorgaben des britischen Premierministers bleiben beiden Parteien nur noch diese Woche die Verhandlungen zu einem Ergebnis zu bringen, die EU gibt sich bis Ende Oktober Zeit. Da der Stand mehr oder weniger der ist, wie vor 10 Monaten, gehen mittlerweile nur noch Optimisten davon aus, dass es zu einem Deal kommt. Der 31.12.2020 als Austrittstermin für die Briten steht. Danach wird es dann im Handel mit Großbritannien wieder zu Zöllen und zu Vorschriften kommen, die kostentreibend für Unternehmen und Verbraucher werden wird.

EURUSD-Rückblick (07.10.2020 - 13.10.2020)

Der EUR bewegte sich zu Beginn unseres Betrachtungszeitraums, am Mittwoch der letzten Handelswoche, im Bereich der 1,1738 und damit praktisch auf dem Niveau fünf Handelstage zuvor. Das Währungspaar konnte sich am Mittwoch zunächst etwas erholen und über die 1,1750 laufen und sich dort festsetzen. Am Donnerstag ging es noch einmal in den Bereich der 1,1735. Der EUR konnte sich hier stabilisieren und am Freitag im Handelsverlauf deutlich und teilweise auch dynamisch erholen. Der EUR schaffte es auch, einen Wochenschluss über der 1,1800 zu formatieren. Zu Wochenbeginn ging es zunächst in einer Box seitwärts. Am Dienstag kam es dann zu einem deutlichen Abverkauf, der den EUR unter die 1,1800 bis in den Bereich der 1,1735 zurückbrachte.

Das Hoch im Betrachtungszeitraum liegt erneut über der 1,1800 und über dem Level der Vorperiode, das Tief liegt ebenfalls über dem Niveau des letzten Betrachtungszeitraums. Der EUR hat es geschafft, wie bereits erwähnt, einen Wochenschluss über der 1,1800 formatieren können. Allerdings wurden die Ergebnisse der letzten vier Handelstage am Dienstag wieder abverkauft. Der EUR steht praktisch wieder da, wo er vor fünf Handelstagen gestanden ist. Die Range war mit knapp über 100 Pips sehr klein und liegt auch deutlich unter dem Jahresdurchschnitt.

Wir hatten in unserem Setup auf der Oberseite erwartet, dass der EUR mit dem Überschreiten der 1,1810/17 weiter an unser nächstes Anlaufziel bei 1,1827/29 laufen könnte. Diese Bewegung hat sich eingestellt, das Anlaufziel wurde erreicht und knapp überschritten, das Setup hat damit nicht optimal gepasst. Die Rücksetzer gingen mit dem Unterschreiten der 1,1742/40 hingegen exakt an unser nächstes Anlaufziel bei 1,1732/30. Hier hat das Setup perfekt gegriffen.

  • Hoch*: 1,1831 Vorperiode: 1,1808
  • Tief*: 1,1730 Vorperiode: 1,1685
  • Wochenschluss: 1,1830 (1,1716)
  • Range*: 101 Pips Vorperiode: 123 Pips

* Betrachtungszeitraum 07.10.2020 – 13.10.2020 - Handelszeiten zwischen 08:00-22:00 Uhr

EURUSD: Wie könnte es weitergehen?

  • Euro-WS: 1,1792....1,1835/46/63/77....1,1915/43....1,2095.....1,2180...1,2272
  • Euro-US: 1,1735/30.....1,1687.....1,1572/18.....1,1410.....1,1330/24.....1,1132.....1,1090/51

Die wichtigsten Marken auf Basis unseres Setups:

  • I-Day-Marke 1,1877 und 1,1701
  • Tagesschlussmarken 1,1926 und 1,1632
  • Boxbereich 1,2555 bis 1,0504
  • Range 1,3479 bis 0,9631

Zum EURUSD in den kommenden fünf Handelstagen:

Chartcheck - Betrachtung im Weekly:

Der EUR ist in den letzten Handelswochen nicht wirklich weitergekommen, das ist im Wochenchart sehr deutlich zu erkennen. Erst in den letzten beiden Handelswochen hat sich eine deutlichere Erholung eingestellt, die aber in der laufenden Handelswoche offensichtlich wieder abverkauft wird. Der EUR konnte sich übergeordnet von der 1,1730 über die 1,1800 schieben, hat aber jetzt wieder den Unterstützungsbereich angelaufen. Kommt es hier nicht zu einer Erholung, so könnten sich die Abgaben übergeordnet noch bis an die SMA20 (aktuell bei 1,1607) fortsetzen. Darunter würde es dann kritisch werden. Zwar könnte die SMA200 (aktuell bei 1,1393) noch stabilisierend wirken, darunter sollte es aber nicht gehen, da dann die Erholungsbewegung übergeordnet als beendet angesehen werden könnte.

Solange der EUR aber über der SMA20 notiert, kann er jederzeit seine Aufwärtsbewegung fortsetzen.


Daily:

Im Daily kann man sehen, dass diese Fortsetzung der Aufwärtsbewegung nicht so einfach werden könnte. Das Währungspaar hat es bisher nicht geschafft, sich erneut über die SMA50 (aktuell bei 1,1797) zu schieben und vor allem zu etablieren. Vor einigen Tagen ist es beim Versuch geblieben. Im Rahmen des Rücksetzers wurde erneut die SMA20 (aktuell bei 1,1746) angelaufen. Die SMA20 liegt im Unterstützungsbereich der 1,1750/30, könnte damit durchaus erneut stabilisierend wirken, wie dies bereits vor einigen Handelstagen der Fall war.

Sollte es der EUR schaffen, sich über der SMA20 zu halten, so hätte er das Potential wieder in Richtung der SMA50 zu laufen. Idealerweise läuft er diese Durchschnittslinie mit Dynamik und mit Momentum an, so dass es zügig über die 1,1800 geht. Sollte sich dies einstellen, kommt es darauf an, dass er sich auch über dieser Linie auf Tagesbasis etablieren, was bedeutet, dass der Tagesschluss am Folgetag bestätigt werden muss. Gelingt dies, so könnte es dann weiter aufwärts gehen. Übergeordnet könnte der Bereich bei 1,1950/60 ein Anlaufziel sein.

Rutscht der EUR aber wieder unter die 1,1730 und wird dieser Tagesschluss am Folgetag bestätigt, so könnte es dann weiter abwärts gehen. Übergeordnet kämen dann die Unterstützungen aus dem Weekly in Betracht.


4H-Chart:

Der EUR konnte sich zunächst über alle wesentlichen Durchschnittslinien etablieren, ist gestern aber wieder unter diese gefallen und das mit Dynamik und mit Momentum. Es ging im Zuge dessen bis an den US-Bereich bei 1,1750/30.

Kurzfristig muss sich der EUR möglichst rasch von der 1,1730/50 entfernen und die SMA50 (aktuell bei 1,1769) anlaufen und überwinden. Sollte das gelingen, so könnte es dann an die SMA20 (aktuell bei 1,1789) bzw. an die SMA200 (aktuell bei 1,1790) gehen. Aktuell ist das Problem, dass beide Durchschnittslinien sehr eng zusammen liegen. Denkbar ist somit, dass der EUR es mehrmals versuchen muss, diese Linien zu überwinden. Erschwerend kommt hinzu, dass auch im Daily im Bereich der 1,1797 die SMA50 liegen. Das könnte aktuell ein Brett für den EUR sein.

Rücksetzer könnten sich bis in den Bereich der 1,1750/30 einstellen. Darunter könnte noch der Bereich bei 1,1690/80 und dann die 1,1660/50 Haltepunkte sein.


Fazit: der übergeordnete Aufwärtstrend auf Wochenbasis ist nach wie vor in Takt, allerdings haben sich auf kurzfristiger Zeitebene die Perspektiven eingetrübt. Der EUR muss auf der Oberseite über die 1,1790/1,1800, um wieder Perspektive auf das Jahreshoch zu haben. Auf der Unterseite stabilisiert aktuell der Bereich bei 1,1750/30. Darunter könnte es dann übergeordnet bis an die 1,1660/50 gehen.

  • Wahrscheinlichkeit Bull Szenario: 35 %
  • Wahrscheinlichkeit Bear Szenario: 65 %

EURUSD-Setups in den kommenden fünf Handelstagen:

Long-Setup: Der EUR könnte zunächst versuchen unsere Anlaufziele bei 1,1752/54, bei 1,1760/62, bei 1,1772/74, bei 1,1781/83, bei 1,1788/90 bzw. bei 1,1795/97 anzulaufen. Kann er sich bis an die 1,1788/97 schieben, so könnte es in diesem Bereich im Zweifel schwer werden weiter zu kommen. Eventuell ist die Aufwärtsbewegung in diesem Bereich auch beendet. Wird das Level aber mit Momentum angelaufen, so könnte es ohne weiteres direkt weiter an unsere nächsten Anlaufziele bei 1,1808/10, bzw. bei 1,1815/17 gehen. Über der 1,1810/17 wären die 1,1827/29, die 1,1840/42, die 1,1849/51, die 1,1855/57 und die 1,1863/65 unsere nächsten Anlaufziele. Kommt es hier zu keinen Rücksetzern, so könnte sich die Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen. Unsere Anlaufziele wären dann die 1,1874/76, die 1,1885/87, die 1,1896/98 und dann die 1,1902/04 bzw. die 1,1909/11.

Short-Setup: Kann sich der EUR nicht über der 1,1745 halten, so könnten die Rücksetzer zunächst unsere Anlaufziele bei 1,1734/32 bzw. bei 1,1729/27 erreichen. Kommt es bei 1,1732/23 zu keinen Erholungen, bzw. werden die Levels mit Dynamik und mit Momentum angelaufen, so könnte sich die Abwärtsbewegung weiter fortsetzen. Unsere Anlaufziele wären die 1,1717/15, die 1,1706/04, die 1,1698/96, die 1,1689/87, die 1,1683/81 und dann die 1,1677/75. Gelingen keine Erholungen, so könnten sich die Abgaben weiter fortsetzen. Unsere Anlaufziele unter der 1,1677/75 wären die 1,1668/66, die 1,1657/55, die 1,1649/47 und dann die 1,1642/40. Rutscht das Währungspaar unter die 1,1642/40, so wären unsere nächsten Anlaufziele bei 1,1633/31, bei 1,1625/23, bei 1,1618/16, bei 1,1611/09, bei 1,1601/1,1599, bei 1,1591/89 und dann bei 1,1579/77 zu finden.

Übergeordnete erwartete Tendenz im Betrachtungszeitraum: seitwärts/abwärts

Die wichtigsten Veröffentlichungen der nächsten 7 Tage:

  • 15.10.2020: USA – Erstanträge Arbeitslosenhilfe
  • 16.10.2020: EUR – Verbraucherpreisindex
  • 20.10.2020: USA – Baugenehmigungen
  • 22.10.2020: USA – Hausverkäufe


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Quellen: Eigenanalyse, genutzt werden die Charts vom MetaTrader 4.

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Jens Chrzanowski
Jens Chrzanowski Niederlassungsleiter und Mitglied des globalen Group Management Boards | Berlin |

Gründer und Leiter des deutschen Büros von Admirals seit 2011. Vorherige berufliche Stationen bei FXCM, E*TRADE und der Deutschen Bank.