EURUSD Analyse: USA im Wahlkampfmodus und Großbritannien auf Konfrontationskurs

September 30, 2020 13:00
  • EUR/USD Analyse mit Set-ups und Wochenausblick - für aktive Forex-Trader

Die Woche der Entscheidung beim Brexit wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Mitte Oktober muss der Deal stehen, sonst droht ein harter Brexit, der von den Briten offensichtlich gewünscht und auch vorangetrieben wird. Anders lassen sich die Provokationen gegenüber der EU nicht erklären.

Die Überlegung seitens der Briten könnte sein, dass die EUihre Position aufgibt und den Briten bei den wesentlichen Fragen entgegen kommt, weil sie keinen harten Brexit zulassen möchte. Sollte sich dieses Szenario einstellen, so stellt sich die Frage, wie hart und konsequent die Gemeinschaft Ziele verfolgt und verteidigt. Jede weitere Verhandlung mit der EU könnten Partner unter exakt den gleichen Bedingungen ablaufen lassen. Positionen verändern, darauf beharren und darauf spekulieren, dass die Verhandlungsposition akzeptiert wird.

Für die EU hängt somit viel ab, was den Brexit angeht - sie sollte konsequent bleiben, auch wenn das dazu führt, dass die wirtschaftliche Entwicklung, gerade zur Unzeit, gehemmt wird. Viele Politiker als auch Unternehmen wünschen sich klare Verhältnisse, also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die britische Wirtschaft wird unter einem harten Brexit deutlich stärker leiden als die EU - auch vorstellbar, dass viele Briten sich dann eine Rückkehr in die Gemeinschaft wieder vorstellen können. Bis dahin könnte aber einige Zeit vergehen.

EURUSD-Rückblick (23.09.2020 - 29.09.2020)

Der EUR bewegte sich zu Beginn unseres Betrachtungszeitraums, am Mittwoch der letzten Handelswoche, im Bereich der 1,1688 und damit gut 158 Pips unter dem Niveau fünf Handelstage zuvor. Das Währungspaar konnte sich am Mittwoch zunächst etwas erholen, gab dann im Handelsverlauf wieder nach. Die Abgaben setzten sich am Donnerstag zunächst weiter fort, um dann im weiteren Handel wieder etwas anzusteigen. Das Tief am Donnerstag wurde dann am Freitag Vormittag unterschritten. Der EUR brauchte vergleichsweise lange, um sich zu stabilisieren und zum Wochenschluss etwas nach Norden zu schieben. Der Wochenschluss wurde bei 1,1630 formatiert. Zu Wochenbeginn ging es zunächst nur moderat aufwärts. Der EUR kam nicht an die 1,1700 heran. Dieses Level wurde dann am Dienstag dynamisch und mit Momentum genommen. Der EUR konnte sich im Zuge dessen bis an den wichtigen Widerstandsbereich bei 1,1730/50 schieben.

Das Wochenhoch liegt deutlich unter dem Level der Vorperiode. Der EUR hat es zwar geschafft, sich zu Wochenbeginn über die 1,1700 zu schieben und festzusetzen, es gelang aber nicht, die 1,1800 erneut anzulaufen. Das Tief im Betrachtungszeitraum liegt deutlich unter dem Niveau der Vorperiode. Die Range war mit 133 Pips deutlich kleiner als im letzten Betrachtungszeitraum - sie lag auch unter dem Jahresdurchschnitt.

Wir hatten in unserem Setup auf der Oberseite erwartet, dass der EUR mit dem Überschreiten der 1,1736/38 weiter an unsere nächste Anlaufmarke bei 1,1742/44 laufen könnte. Diese Bewegung hat sich eingestellt, das Anlaufziel wurde um einen Pip überschritten. Wir hatten aber damit gerechnet, dass die Bewegung in diesem Bereich auch auslaufen könnte. Diese Einschätzung hat gestimmt, das Setup hat damit auf der Oberseite sehr gut gepasst. Die Rücksetzer gingen mit dem Unterschreiten der 1,1618/16 ganz nicht ganz an unser nächstes Anlaufziel bei 1,1611/09. Hier hat ein Pip gefehlt.

  • Hoch*: 1,1745 Vorperiode: 1,1882
  • Tief*: 1,1612 Vorperiode: 1,1692
  • Wochenschluss: 1,1630 (1,1840)
  • Range*: 133 Pips Vorperiode: 190 Pips

* Betrachtungszeitraum 23.09.2020 – 29.09.2020 - Handelszeiten zwischen 08:00-22:00 Uhr

EURUSD: Wie könnte es weitergehen?

  • Euro-WS: 1,1737/60/92....1,1846/63/77....1,1915/43....1,2095.....1,2180...1,2272
  • Euro-US: 1,1632.....1,1572/18.....1,1410.....1,1330/24.....1,1132.....1,1090/51

Die wichtigsten Marken auf Basis unseres Setups:

  • I-Day-Marke 1,1699 und 1,1592
  • Tagesschlussmarken 1,1792 und 1,1484
  • Boxbereich 1,2555 bis 1,0504
  • Range 1,3479 bis 0,9631

um EURUSD in den kommenden fünf Handelstagen:

Chartcheck - Betrachtung im Weekly & 4h-Chart:

Der EUR ist in den letzten Handelswochen nicht wirklich weitergekommen, das ist im Wochenchart sehr deutlich zu erkennen. Allerdings hat die laufende Handelswoche positiv begonnen, der EUR scheint sich wieder etwas zu erholen. Diese Erholung könnte übergeordnet bis an die 1,1960 gehen. Zwar ist der EUR auch über dieses Level gelaufen, er hat sich bisher darüber aber nicht festsetzen können. Die oberen übergeordneten Anlaufziele bei 1,2550 wären dann erreichbar und realistisch, wenn es das Währungspaar schafft, einen Wochenschluss über der 1,1960 zu formatieren, der aber in der Folgewoche bestätigt werden muss.

Übergeordnet ist das Chartbild nach wie vor bullisch zu interpretieren. Rücksetzer könnte den EUR an die SMA200 (aktuell bei 1,1378) gehen, ohne dass der übergeordnete Aufwärtstrend in Frage gestellt werden muss. Erst darunter würde sich das Chartbild deutlich eintrüben.

Daily:

Im Daily kann man sehen, warum sich der EUR in den letzten Handelswochen so schwer getan hat. Er ist praktisch seit Wochen an der SMA20 (aktuell bei 1,1774) hängen geblieben. Mittlerweile wurde die SMA20 von unten von der SMA50 (aktuell bei 1,1794) durchstoßen. Da beide Durchschnittslinien im Tageschart eng zusammenliegen, ist vorstellbar, dass der EUR dieses Level nicht so einfach nehmen könnte. Wird es aber mit Momentum und Dynamik angelaufen, so könnte es ohne weiteres auch über diese beiden Durchschnittslinien gehen, wobei es im Nachgang dessen darauf ankommt, dass sich der EUR auch über diesem Level etablieren kann.

4H-Chart:

Der EUR konnte sich zu Wochenbeginn wieder über die SMA20 (aktuell bei 1,1675) als auch über die SMA50 (aktuell bei 1,1715) schieben und auch etablieren. Damit hat sich das Chartbild wieder aufgehellt. Sollte es der EUR schaffen, sich über der SMA50 zu halten, so hätte er das Potential bis in den Bereich der SMA200 (aktuell bei 1,1815) zu laufen.

Rücksetzer könnten bis an die SMA50 und dann erneut an die SMA20 gehen. Ein Unterschreiten der SMA20 wäre dann kritisch zu interpretieren, sollte sich der EUR darunter etablieren. Dann wären weitere Abgaben bis in den Bereich der 1,1590/50 möglich.


Fazit: der übergeordnete Aufwärtstrend auf Wochenbasis ist nach wie vor in Takt. Auf kurzfristiger Zeitebene hat sich das Chartbild zu Wochenbeginn etwas aufgehellt. Wesentlich wird sein, dass sich der EUR kurzfristig über der 1,1675 halten kann. Sollte sich dies einstellen, so könnte es mittelfristig auch in Richtung der 1,1900/60 gehen.

  • Wahrscheinlichkeit Bull Szenario: 65 %
  • Wahrscheinlichkeit Bear Szenario: 45 %

EURUSD-Setups in den kommenden fünf Handelstagen:

Long-Setup: Der EUR könnte zunächst versuchen unsere Anlaufziele bei 1,1743/45 bzw. bei 1,1750/52 zu erreichen. Kann sich der EUR über die 1,1745/52 schieben, so könnte er dann unsere nächsten Anlaufziele bei 1,1760/62, bei 1,1772/74, bei 1,1781/83 und dann bei 1,1792/94 versuchen zu anzulaufen. Kann er sich bis an die 1,1774/94 schieben, so könnte es in diesem Bereich im Zweifel schwer werden weiter zu kommen. Eventuell ist die Aufwärtsbewegung in diesem Bereich auch beendet. Wird das Level aber mit Momentum angelaufen, so könnte es ohne weiteres direkt weiter an unsere nächsten Anlaufziele bei 1,1801/03, bei 1,1810/12, bzw. bei 1,1815/17 gehen. Über der 1,1810/17 wären die 1,1827/29, die 1,1840/42, die 1,1849/51, die 1,1855/57 und die 1,1863/65 unsere nächsten Anlaufziele. Kommt es hier zu keinen Rücksetzern, so könnte sich die Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen. Unsere Anlaufziele wären dann die 1,1874/76, die 1,1885/87, die 1,1896/98 und dann die 1,1902/04 bzw. die 1,1909/11.

Short-Setup: Kann sich der EUR nicht über der 1,1740 halten, so könnten die Rücksetzer zunächst unsere Anlaufziele bei 1,1732/30, bei 1,1725/23 und dann bei 1,1717/15 erreichen. Kommt es hier zu keinen Erholungen, so könnten sich weitere Abgaben einstellen, die unsere Anlaufziele bei 1,1706/04, bei 1,1698/96, bei 1,1689/87, bei 1,1683/81 und dann bei 1,1677/75 erreichen könnten. Setzt der EUR bis in den Bereich der 1,1781/75 zurück, so hätte er in diesem Bereich vergleichsweise gute Chancen auf Stabilisierung und Erholung. Gelingen diese aber nicht, bzw. wird das Level mit Dynamik und mit Momentum angelaufen, so könnten sich die Abgaben weiter fortsetzen. Unsere Anlaufziele unter der 1,1677/75 wären die 1,1668/66, die 1,1657/55, die 1,1649/47 und dann die 1,1642/40. Rutscht das Währungspaar unter die 1,1642/40, so wären unsere nächsten Anlaufziele bei 1,1633/31, bei 1,1625/23, bei 1,1618/16, bei 1,1611/09, bei 1,1601/1,1599, bei 1,1591/89 und dann bei 1,1579/77 zu finden.

Übergeordnete erwartete Tendenz im Betrachtungszeitraum: seitwärts/aufwärts

Die wichtigsten Veröffentlichungen der nächsten 7 Tage:

  • 01.10.2020: EUR – Treffen Staats- und Regierungschefs
  • 02.10.2020: USA – Non-farm Payrolls
  • 05.10.2020: USA – JOLTS Stellenangebote
  • 07.10.2020: USA – FOMC Sitzungsprotokoll


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Quellen: Eigenanalyse, genutzt werden die Charts vom MetaTrader 4.

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Jens Chrzanowski
Jens Chrzanowski Niederlassungsleiter und Mitglied des globalen Group Management Boards | Berlin |

Gründer und Leiter des deutschen Büros von Admirals seit 2011. Vorherige berufliche Stationen bei FXCM, E*TRADE und der Deutschen Bank.