DAX Analyse: Die Coronakrise macht weitere Rücksetzer wahrscheinlich

März 08, 2020 18:45
  • Aktuelle Analyse, Wochenausblick (09.03. - 13.03.) und Setups für den deutschen Leitindex DAX – Chartanalyse für aktive Trader

Rückblick:

Der DAX ging am Montagmorgen der vergangenen Handelswoche bei 12.044 Punkten in den vorbörslichen Handel. Der Index notierte damit 1.269 Punkte unter der ersten vorbörslichen Notierung der Vorwoche aber 117 Punkte über dem Wochenschluss am Freitag der Vorwoche. Der DAX konnte sich am Montag zunächst weiter nach Norden schieben. Es ging im Zuge dessen bis in den Bereich der 12.200 Punkte. Von hier aus setzte wieder eine Abgabewelle ein, die den Index bis zum Mittag an die 11.626 Punkte brachte. Hier gelang die Stabilisierung und die sukzessive Erholung, die bis Dienstagmittag anhielt. Der Index konnte sich wieder zurück an die 12.200 Punkte schieben, scheitere aber erneut an der 12.200 Punkte-Marke. Am Nachmittag kam es dann aber zu einer Impulsbewegung an die 12.272 Punkte, die aber auch gleich wieder abverkauft wurde. Der DAX gab bis zum Abend wieder unter die 11.800 Punkte nach. Am Mittwoch konnten sich die Notierungen auf breiter Front erholen. Der DAX konnte sich bis zum Handelsschluss an die 12.280 Punkte schieben. Am Donnerstag sah es zunächst so aus, als ob der Index seine Erholung weiter fortsetzen könnte. Dies stellte sich aber nicht ein. Der Index gab auf breiter Front nach und setzte wieder bis unter die 11.800 Punkte zurück. Die Schwäche setzte sich am Freitag fort. Der Index gab bis kurz vor Handelsschluss an die 11.421 Punkte nach und formatierte hier sein Wochentief.

Das Wochenhoch liegt erneut unter dem Hoch der Vorwoche. Es ist das dritte tiefere Tief hintereinander. Das Wochentief liegt ebenfalls unter dem Level der Vorwoche. Der DAX hat es aber geschafft, die Verluste in dieser Handelswoche einzudämmen. Der Wochenverlust beträgt "nur" 383 Punkte. Dennoch ist es die dritte Verlustwoche hintereinander. Der Index hat in den letzten drei Handelswochen gut 2.000 Punkte verloren. Die Range lag in dieser Handelswoche über dem Jahresdurchschnitt aber deutlich unter dem Level der Vorwoche. Stichtagsbezogen liegt der DAX nach wie vor gut 60 Punkte über dem Level des Vorjahres.

Wir sind in unserer vorigen Analyse von einer Gegenbewegung ausgegangen, die sich so auch eingestellt hat: Wir hatten in unserem Setup auf der Oberseite vermutet, dass der DAX mit dem Überschreiten der 12.272/74 Punkte weiter an unsere nächste Anlaufmarke bei 12.293/95 Punkten laufen könnte. Diese Bewegung hat sich eingestellt, das Anlaufziel wurde jedoch deutlich verfehlt. Die Rücksetzer gingen mit dem Unterschreiten der 11.618/16 Punkte deutlich unter unser maximales Anlaufziel auf der Unterseite bei 11.606/04 Punkten.

     

DAX 2020 Statistik

   
 

Wochenhoch

Wochentief

Wochenschluss

Wochenergebnis

Wochenrange

           

01/2020

13.445

13.108

13.176

-125

337

02/2020

13.548

12.945

13.457

281

603

03/2020

13.557

13.361

13.537

80

196

04/2020

13.639

13.381

13.521

-16

258

05/2020

13.400

12.882

12.931

-590

518

06/2020

13.602

12.988

13.476

545

614

07/2020

13.788

13.446

13.752

276

342

08/2020

13.796

13.497

13.557

-195

299

09/2020

13.325

11.721

11.927

-1.630

1.604

10/2020

12.280

11.421

11.544

-383

859

           

Durchschnittliche Range 2020

   

563

           

Gewinn- zu Verlustwochen

   

4 / 6

 

* Marken gelten für die Handelszeiten 08:00 - 22:00 Uhr

DAX - Wie könnte es weitergehen:

  • DAX-WS 11.586.....11.600/20/71.....11.712/49....111.825/93.....11.926/79
  • DAX-US: 11.401.....11.341.....11.270/25/11.....11.136....11.066....10.981.....10.898/27

Die wichtigsten Marken auf Basis unseres DAX Setups:

  • Intraday-Marke 12.726 und 11.404
  • Tagesschlussmarken 11.974 und 11.188
  • Break1 Bull (WochenSchluss) (12.674)
  • Break2 Bull (MonatsSchluss) (13.135)
  • Boxbereich 13.790 bis 6.669
  • Zyklische Bewegungen 2020 – 2033
  • Range 16.722 bis 1.778

DAX Chartcheck - Betrachtung im 4h Chart:

Der DAX konnte sich im Wochenverlauf über die SMA20 (aktuell bei 11.886 Punkten) schieben und festsetzen. Allerdings wurde diese Durchschnittslinie zum Wochenende hin wieder unterschritten. Der DAX hat sich am Freitag verbindlich unter dieser Linie etabliert. Er hat es aber in den letzten Handelsstunden am Freitag geschafft so eine Art Stabilisierung abzubilden. Es ging zwar an die 11.400 Punkte, diese wurde aber nicht unterschritten.

Damit könnten die Bullen übergeordnet versuchen, zunächst zurück an die SMA20 zu kommen. Schaffen sie es, sich über diese Linie zu schieben, wäre die SMA50 (aktuell bei 12.095 Punkten) die nächste übergeordnete Anlaufmarke. Sollte es der Index schaffen, sich über der 12.095 Punkte-Marke zu schieben und zwei grüne Kerzen hintereinander abzubilden, so könnte die Erholung weitergehen. Der DAX hätte dann Platz bis in den Bereich der 12.650/700 bzw. 13.000/100 Punkte.

Bleibt der DAX aber unter der SMA20, so könnte er weiter zurücksetzen. Anlaufziele wären die 11.250/230 Punkte und dann der Bereich bei 11.000/10.800 Punkte.

Fazit: Für eine deutliche Erholung ist es entscheidend, dass es der DAX schafft, sich über der SMA20 zu etablieren. Gelingt dies so könnte es weiter bis an die 12.080/100 Punkte gehen. Erst darüber würde sich das Chartbild aufhellen. Solange er unter der SMA20 notiert besteht die Gefahr weiterer Rücksetzer, die bis an die 11.250/30 und dann an die 11.000/10.800 Punkte gehen könnten.

Solange die Welt und die Börsen jedoch im Bann des Coronavirus sind, halten wir weitere, auch stärkere Rücksetzer für wahrscheinlich:

  • Einschätzung kurzfristiges Chartbild: bärisch
  • Einschätzung übergeordnetes Chartbild: bärisch

DAX – Das große Bild:

Die US-Arbeitsmarktdaten sind am Freitag überraschend gut ausgefallen. Die Arbeitslosigkeit fiel leicht auf nunmehr nur 3,5%. Damit scheint die US-Wirtschaft bisher immun gegen Zollstreitigkeiten oder Corona Virus zu sein. Die FED hat aber unter der Woche schon einmal vorsorglich den Zinssatz um 0,5% gesenkt, um damit negativen Einflüssen des Corona Virus auf die US-Wirtschaft entgegenzuwirken. Denkbar ist, dass ein weiterer Zinsschritt bei der nächsten FED Sitzung vollzogen werden könnte. Diese Zinssenkung(en) sollen die Wirtschaft weiter stimulieren und auch die inländische Nachfrage aufrechterhalten. Diese Geldpolitik ist ganz im Sinne des amtierenden US-Präsidenten, der sich im November zur Wiederwahl stellen wird.

Am Donnerstag tagt auch die EZB. Vorstellbar ist, dass die Zentralbank weitere geldpolitische Lockerungen vornehmen wird, wobei das Spektrum an denkbaren Maßnahmen lange nicht so groß ist wie bei der FED. In den Märkten wird darüber spekuliert, dass es Helikoptergeld zur Stimulierung der Nachfrage geben könnte. Auch die Bundesregierung will sich kurzfristig zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen äußern, um eine Rezession durch das Corona Virus zu verhindern.

Unabhängig davon gehen wir davon aus, dass die Zahl der Infizierten durch das Virus in den kommenden Wochen in Europa weiter steigen wird. Das Zahlenwerk ist vergleichsweise transparent, so dass die Ausbreitung des Virus nachvollzogen werden kann. Ganz anders ist das aber in weniger entwickelten Ländern wie z.B. Afrika. Es ist davon auszugehen, dass sich auch hier der Virus weiterverbreiten könnte, auch wenn viele Länder dort nicht den globalen Status haben wie die entwickelten Länder.

Setups, Einschätzungen für die neue DAX Handelswoche:

Long Setups: Die Bullen könnten zunächst versuchen, den DAX über der 11.520 Punkte-Marke zu etablieren. Sollten sich die Bullen durchsetzen können, so könnte der Index im Nachgang versuchen, unsere Anlaufziele bei 11.550/52, bei 11.565/67, bei 11.580/82, bei 11.594/96, bei 11.618/20, bei 11.638/40, bei 11.659/61 und dann bei 11.676/78 Punkten zu erreichen. Kann er sich über die 11.676/78 Punkte schieben, so wären unsere nächsten Anlaufziele bei 11.696/98, bei 11.707/09, bei 11.723/25, bei 11.741/43, bei 11.756/58, bei 11.778/80, bei 11.809/11, bei 11.829/31, bei 11.848/50 und dann bei 11.865/67 bzw. bei 11.875/77 Punkten zu finden. Kann sich der Dax bis an die 11.865/77 Punkte schieben, so ist denkbar, dass es in diesem Bereich schwer werden könnte weiter zu kommen. Eventuell ist die Aufwärtsbewegung hier auch beendet. Sollte sich der DAX aber über dieses Level schieben, bzw. wird es mit Dynamik und mit Momentum angelaufen, so könnte es auch direkt weiter an unsere nächsten Anlaufmarken bei 11.888/90, bei 11.904/06, bei 11.917/19, bei 11.923/25, bei 11.938/40, bei 11.962/64, bei 11.976/78, bei 11.992/94 und dann bei 12.005/07 Punkten gehen. Kann sich der Index über die 12.005/07 Punkte schieben, so könnten dann unsere Anlaufmarken bei 12.023/25, bei 12.033/35 und dann bei 12.049/51 Punkten erreicht werden. Kommt es hier zu keinen Rücksetzern, so könnte die Aufwärtsbewegung weitergehen. Unsere nächsten Anlaufziele wären dann bei 12.066/68, bei 12.072/74, bei 12.088/90, bei 12.108/10, bei 12.130/32, bei 13.148/50, bei 12.167/69, bei 12.182/84 und dann bei 12.194/96 Punkten zu finden.

Short Setups: Kann sich der DAX nicht über der 11.520 Punkte-Marke halten, so könnten Rücksetzer zunächst unsere Anlaufmarken bei 11.500/498, bei 11.476/74, bei 11.464/62, bei 11.448/46, bei 11.431/29, bei 11.415/13 und dann bei 11.404/02 Punkten zu finden. Kommt es hier zu keinen Erholungen, könnte sich die Abwärtsbewegung weiter fortsetzen. Unsere Anlaufmarken wären dann die 11.390/88, die 11.367/65, die 11.349/47, die 11.333/31, die 11.316/14, die 11.305/03, die 11.281/79, die 11.263/61 und dann die 11.250/48 Punkte. Setzt der Index bis an die 11.250/48 Punkte zurück, so bestehen hier vergleichsweise gute Chancen auf Stabilisierung und Erholung. Gelingen diese aber nicht, so könnte der Index unsere nächsten Anlaufmarken bei 11.239/37, bei 11.224/22, bei 11.210/08, bei 11.190/88, bei 11.176/74, bei 11.158/56, bei 11.140/38, bei 11.121/19, bei 11.108/06 und dann bei 11.089/87 Punkten anlaufen.

  • Übergeordnete erwartete Tendenz in der KW 11 / 2020: seitwärts / abwärts

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Quellen: Eigenanalyse, genutzt werden die Charts vom MetaTrader 4.

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Jens Chrzanowski
Jens Chrzanowski Niederlassungsleiter und Mitglied des globalen Group Management Boards | Berlin |

Gründer und Leiter des deutschen Büros von Admirals seit 2011. Vorherige berufliche Stationen bei FXCM, E*TRADE und der Deutschen Bank.