Aktivistische Investoren: Alles was Sie darüber wissen müssen

Juli 24, 2020 10:11

Was Sie über aktivistische Investoren wissen sollten

In den vergangenen Jahren wurden große Unternehmen wie Nestle, Thyssen Krupp und Barclays Opfer von aktivistischen Investoren. Aber was genau ist eigentlich ein aktivistischer Investor? Und warum sind sie neben den anderen Tradern und Investoren besonders relevant?

Was ist ein aktivistischer Investor?

Aktivistische Investoren versuchen eine bedeutende Beteiligung an einem bestimmten Unternehmen zu erwerben, damit sie dann ihre Position als Aktionär nutzen können, um für Veränderungen in diesem Unternehmen zu werben.

Die Beteiligung muss nicht außergewöhnlich groß sein, aber groß genug, sodass die Investoren von der Unternehmensführung und den anderen Anteilseignern gehört werden.

Aktivistische Investoren können besonders aggressiv auftreten. Außerdem ziehen Ihre Taktiken, wie wir gleich zeigen werden, viel Aufmerksamkeit von der Presse auf sich. Aufgrund dessen und aufgrund der Tatsache, dass die Leute eine gute öffentliche Schlammschlacht lieben, haben vielen aktivistische Investoren einen berüchtigten Ruf. CEOs großer Unternehmen zittern angeblich beim Anblick einiger dieser Namen im Aktienregister und viele CEOs bereiten sich im Voraus auf die potentiellen Konflikte vor.

Einige Leute sind der Ansicht, dass die durch die Covid-19 Krise entstandenen Ungleichheiten zu einem Anstieg der Zahlen, der von den Aktivisten ins Visier genommenen öffentlichen Unternehmen, führen werden.

Forderungen von den Aktivisten

Aktivistische Investoren fordern häufig Veränderungen, die ihrer Ansicht nach den Wert eines Unternehmens, oder die Vorteile für Aktionäre im Allgemeinen, steigern werden. Sie werden häufig von den gleichen Unternehmen und Aktionären beschuldigt, zu fokussiert auf die kurzfristigen Gewinne zu sein und nicht an der langfristigen Entwicklung eines Unternehmens interessiert zu sein.

Da die Anteile der aktivistischen Investoren häufig weniger als 10% an einem Unternehmen ausmachen, sind sie besonders stark von der Unterstützung anderer Anteilseigner abhängig.

Wenn ihre ursprünglichen Forderungen abgelehnt oder sogar durchkreuzt werden, können sich aktivistische Aktionäre gegen die Manager des Vorstands wenden und manchmal sogar ihre Absetzung fordern.

Zu den häufigen Forderungen der aktivistischen Investoren gehören zum Beispiel:

  • Die Rückzahlung von Geldern an die Aktionäre durch den Aktienrückkauf (was häufig einen Kursanstieg zur Folge hat) oder spezielle Dividendenzahlungen
  • Die Erhöhung von Schuldenanteilen, um den Hebel bei dem Unternehmen zu erhöhen
  • Der Verkauf einer Zweigniederlassung oder die Aufspaltung des Unternehmens
  • Die Fusionierung oder der Verkauf des Unternehmens
  • Eine Ausgabenreduzierung bei der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, um eine kurzfristige Kapitalfreisetzung zu ermöglichen
  • Das Absetzen des Managements oder eine Änderung bei deren Vergütung
  • Das Absetzen von einzelnen Vorstandsmitgliedern oder eine Änderung bei deren Vergütung
  • Einen Sitz im Vorstand des Unternehmens
  • Eine veränderte Strategie für das Unternehmen

Welche Taktiken nutzen die aktivistischen Shareholder?

Die Taktiken, die aktivistische Investoren zur Zielverfolgung nutzen, sind am Anfang oft angemessen und konstruktiv. Wenn diese Investoren jedoch ignoriert werden oder ihnen öffentlich widersprochen wird, tendieren sie dazu, die Aggression und die Kritik gegenüber dem entsprechenden Unternehmen zu steigern.

Hier sind einige der üblichen Taktiken in aufsteigender Reihenfolge des Aggressionslevels:

  • Öffentliche Offenlegung des Aktienbesitzes
  • Veröffentlichung von Änderungsvorschlägen für das Unternehmen
  • Öffentlicher Brief an das Management und den Unternehmensvorstand
  • Kritik an der Unternehmensperformance und Vergleiche mit der Konkurrenz
  • Mobilisierung von anderen Großaktionären, um gemeinsam Unzufriedenheit zu signalisieren
  • Kritik der Unternehmensführung, des Vorstands oder der Strategie in Interviews mit der Presse und im Fernsehen.
  • Öffentlich einen Sitz im Vorstand des Unternehmens verlangen.
  • Öffentlicher Aufruf für die Stimmen der anderen Aktionäre
  • Beeinflussung von Managern oder Mitgliedern des Vorstands
  • Zusammenarbeit mit anderen Aktivisten, um ein "Rudel" zu bilden
  • Zusammenarbeit mit potentiellen Käufern
  • Anstellung von Privatdetektiven zur Beobachtung des Managements, des Vorstands oder wichtigen Mitarbeitern
  • Rechtsstreit

Auch wenn das betroffene Unternehmen die aktivistischen Aktionäre öffentlich ignoriert oder auch deren Vorschläge öffentlich zurückweist, trifft sich die Unternehmensleitung meist heimlich mit den Aktivisten, um gemeinsam einen Kompromiss zu finden.

Ist Investment Aktivismus gut oder schlecht?

Es ist einfach, aktivistische Investoren nicht zu mögen. Sie sind laut, konfrontativ und häufig Thema von negativen Schlagzeilen, verursacht durch das entsprechende Unternehmen. Wenn man nun noch die Tatsache beachtet, dass viele Leute es nicht gerne sehen, dass reiche Leute noch reicher werden, werden die aktivistischen Investoren von vielen auch gerne als "bad boys" der Investment-Welt gesehen.

Dennoch haben ihre Vorschläge in der Regel eine Grundlage und können den Wert eines Unternehmens erhöhen, wenn sie umgesetzt werden.

Zusätzlich sind viele Kommentatoren und Wissenschaftler der Ansicht, dass die Unternehmenswelt sich vielmehr selbst bereichern würde (zum Beispiel in Form von hohen Gehältern oder den Missbrauch von Unternehmenseigentum), wenn nicht die aktivistischen Investoren ein Auge darauf haben würden.

Bei einer Befragung würden andere Aktionäre wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass aktivistische Aktionäre einen positiven Einfluss auf den Markt haben, aber dennoch zu kurzfristig orientiert sind.

Wie der Investment Aktivismus Sie beeinflusst

Egal ob Sie langfristig investieren oder kurzfristig traden, Sie sollten immer ein Auge auf die aktivistischen Investoren haben.

Häufig wird, sobald ein aktivistischer Investor seine Beteiligung an einer bestimmten Firma bekanntgibt, der Kurswert steigen. Je größer der Bekanntheitsgrad eines Aktivisten, desto größer wird der Kurssprung sein. Streitigkeiten zwischen Aktivisten und Unternehmen dauern meist Monate an und finden häufig in der Öffentlichkeit statt. Die Presse liebt solche Konflikte und dokumentiert jedes Detail. Jeder Artikel und jede Äußerung von beiden Seiten verursachen eine hohe Volatilität bei der Aktie, was den Tradern zugutekommt.

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Ein Aktivist knöpft sich Apple vor

Der zum damaligen Zeitpunkt 80 Jahre alte Carl Icahn begann seine Anteile an Apple Mitte 2013 auszuweiten. Ende Januar 2014 gab er bekannt, dass er 0,9% der Firma für einen Preis in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar erworben hat.

Icahn wird als einer der rücksichtslosesten Investoren angesehen. Seine furchterregende Reputation reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Zu der Zeit von Icahns Akquisition war Apple bereits das größte gelistete Unternehmen und wurde von vielen als erfolgreichstes Unternehmen der Welt gesehen. Dementsprechend schien die Konfrontation bereits zu Beginn besonders vielversprechend zu werden.

Auf Twitter, in TV Interviews und in mindestens 8 öffentlichen Briefen an die Aktionäre war Icahn wechselseitig lobend als auch aggressiv und kritisch gegenüber Apple. Er lobte das Unternehmen und deren Produkte und gab bekannt, dass er die Aktie für unterbewertet hielt. Gleichermaßen kritisierte er Apple zu viele Barmittel zu halten und forderte die Rückzahlung dieser Gelder an die Investoren. Zu dieser Zeit verfügte Apple über ca. 150 Milliarden US-Dollar in Cash. Man kann also sagen, dass Icahn durchaus ein Argument hatte.

Icahn schrieb außerdem diverse offene Briefe an den CEO Tim Cook, in denen er Apple dazu aufforderte, mit den 150 Milliarden US-Dollar Aktien zurückzukaufen. Rückkäufe erhöhen in der Regel den Kurswert der Aktie und bringen den Aktionären somit einen Gewinn ein.

In der Öffentlichkeit schien sich Apple nicht sonderlich für Icahn zu interessieren. Dennoch gibt es die Gerüchte, dass Tim Cook und Icahn mehrmals per Telefon miteinander gesprochen und sich mindestens einmal getroffen haben. Letztendlich führte das Unternehmen die Aktienrückkäufe durch.

Als Icahn seine Beteiligungen im März 2016 verkaufte, hatte Apple nicht die 150 Milliarden US-Dollar in den Rückkauf der Aktien investiert, sondern lediglich 116 Milliarden US-Dollar. Der daraus resultierende Kursanstieg führte für Icahn dennoch zu einem Kursgewinn von ca. 2 Milliarden US-Dollar.

Bekannte aktivistische Investoren

Carl Icahn

Icahn war ein Pionier unter den aktivistischen Investoren und Apple ist nur eines der vielen Unternehmen, das seine unwillkommene Aufmerksamkeit erhielt.

Noch im März 2020 legte sich Icahn (inzwischen 84 Jahre alt) mit Occidental Petroleum an und forderte öffentlich die Absetzung des CEO und des Vorstands.

Der Konflikt begann letztes Jahr, als Occidental die Übernahme von Anandarko Petroleum bekanntgab. Im März 2020 kündigte Occidental an, die Dividenden zu kürzen, was mit dem globalen Fall des Ölpreises begründet wurde. Daraufhin forderte Icahn die Absetzung des CEOs.

In guter Manier der aktivistischen Sprache teilte er in einer Stellungnahme mit, dass Occidentals "CEO und der Vorstand sich anonym auf einen Würfelwurf geeinigt hatten und entschieden, auf das Unternehmen zu wetten, indem sie das Geld der Aktionäre für eine desaströse Akquisition riskierten…Sie haben die Aktionäre von Occidental ungemein enttäuscht und sollten daher abgesetzt werden."

Die Stellungnahme, die auch eine Erhöhung der Beteiligung von Icahn von 2,5% auf 9,9% einher brachte, verhalf der Occidental Aktie zu einem Kursanstieg von 24%.

Bill Ackman, Pershing Square Capital Management

2014 kaufte Ackman Anteile am Pharma-Unternehmen Allergan und arbeitete zusammen mit dem Aktivisten Valeant, um einen Fusions-Deal voranzutreiben. Pershing Square und Valeant erzielten einen Gewinn in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar, nachdem Allergan an Actavis verkauft wurde.

Christer Gardell, Cevian Capital

Mit ungefähr 15 Milliarden US-Dollar für die Vermögensverwaltung ist Cevian Europas größter aktivistischer Investor und hat zusätzlich die Ehre, von Carl Icahn finanziert zu werden.

Im Juni 2020, inmitten weltweiter Lockdowns als Folge der Corona-Krise, gab Cevian Capital bekannt, dass sie 5,4% an Anteilen am Bildungsanbieter Pearson halten. Als Folge sprang der Kurs von Pearson um mehr als 13% auf 5,80 britische Pfund nach oben.

Daniel Loeb, Third Point

Mit der Verwaltung von ca. 15 Milliarden US-Dollar, ist Third Point einer der weltweit größten und erfolgreichsten aktivistischen Fonds.

Vergangene Ziele beinhalteten Yahoo, Sony und Sotheby's. Der Fond hält aktuell eine Position auf das britische Versicherungsunternehmen Prudential und übt Druck aus, um eine Aufspaltung voranzutreiben.

Paul Singer, Elliot Management

Elliot war mit 14 Kampagnen der aktivste Investment-Fonds in 2019. Die Firma wurde von Paul Singer mit 112 Millionen US-Dollar, die Singer von Freunden und Familie zusammen gesammelt hatte, gegründet. Der aktuelle Portfolio Wert beträgt 8 Milliarden US-Dollar.

Vergangene Erfolge beinhalteten Akzo-Nobel und BHP Billiton.

Zusammenfassung

Nun, da Sie mehr über aktivistische Investoren, ihre Taktiken und Effekte, die sie auf ihre Ziele haben, wissen, werden Sie zukünftig sicherlich ein Auge auf die berühmtesten Investoren in zukünftigen Pressemitteilungen werfen.

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Dieses Material beinhaltet keine und sollte nicht als Investmentberatung, Investmentempfehlung, Angebot oder Werbung für jegliche Art von Transaktion mit Finanzinstrumenten aufgefasst werden. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Artikel wie dieser keine verlässlichen Voraussagen für gegenwärtige oder zukünftige Entwicklungen darstellen, da sich die Umstände jederzeit ändern können. Bevor Sie irgendeine Art von Investment tätigen, sollten Sie einen unabhängigen Finanzberater konsultieren, um sicherzustellen, dass Sie die vorhandenen Risiken richtig verstehen und einschätzen können.

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